Sonntag, den 17.08.14 14:50

aus der Kategorie: DSL & Internet

Deutsche Bahn: Darum gibt es Probleme mit WLAN im ICE

Stabile WLAN-Zugänge sind in Flugzeugen und Fernbussen längst Standard, stellen die Deutsche Bahn jedoch noch immer vor große Probleme. Mit den Plänen, bis Ende 2014 die 255 ICE-Züge des Hauptnetzes und 24 der größten Bahnhöfe mit modernster WLAN-Technik auszustatten, will die Bahn die zum Teil desolaten Verbindungsproblematik beheben. Doch woran krankt die WLAN-Nutzung der Bahn wirklich, die Redaktion von mobilfunk-talk beleuchtet die Hintergründe.

WLAN erstmals 2005 im Zug

„Das Internet ist für uns alle Neuland“ – mit diesem Satz sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einigen Monaten für Aufsehen und zeigte, wie weit die Ansichten innerhalb von Generationen auseinander gehen können. Ähnliches lässt sich bei der Deutschen Bahn vermuten, ehemals Deutschlands Aushängeschild des modernen und bequemen Reisens. Modern ist mittlerweile vieles nicht mehr und die Bequemlichkeit hängt immer häufiger von den eingesetzten Zugmodellen und deren Sanierungsstand ab.

Obwohl die Deutsche Bahn bereits 2005 noch lange vor dem Smartphone-Boom die Strecke Dortmund-Siegburg/Bonn im Rahmen eines Pilotprojektes mit einem kostenfreie WLAN-Zugang ausstattete, tröpfelt der weitere Ausbau seitdem eher gemächlich vor sich hin.

ICE Deutsche BahnGeringe Bandbreite im ICE

Einige Züge haben zwar WLAN, die Deutsche Bahn arbeitet zu diesem Zweck mit dem Telekommunikationsanbieter Telekom zusammen, die Verbindung ist aber weder besonders stabil noch konstant nutzbar. Auf Streckenabschnitten ohne vernünftigen Mobilfunkempfang schwächelt auch die an sich zuverlässige WLAN-Technik der Bahn besonders häufig. Dadurch wird selbst das nur wenig Bandbreite beanspruchende Beantworten von Emails zu einem Geduldsspiel.

Die Konkurrenz schläft nicht, das muss nun auch die Deutsche Bahn erfahren. Seit einiger Zeit erhält sie Gegenwind durch kleine Fernbus-Anbieter, die die ehemals exklusiv von der Bahn befahrenen Langstrecken schneller, günstiger und bequemer zurücklegen können. Kostenfreies und stabiles WLAN ist längst bei zahlreichen Fernbussen Standard, die Fahrzeuge haben durch Modernisierungen ihren Klassenfahrt-Charme verloren und entwickelten sich in kurzer Zeit zur preisgünstigen, aber dennoch komfortablen Alternative zum InterCity.

Diese WLAN-Probleme treten im ICE auf

Das den Fernbussen das Kunststück mit dem WLAN anscheinend mühelos gelingt, während die Bahn immer einen Schritt zurückliegt, ist nicht nur auf mangelnde Innovationsfreude zurückzuführen. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer eines ICE werden die Mobilfunkzellen viel häufiger gewechselt als bei 80 bis 100 Stundenkilometer, die Reisebusse auf deutschen Autobahnen zurücklegen. Eine stabile Internetverbindung, die auch bei den WLAN-HotSpots der deutschen Bahn über das Mobilfunknetz läuft, wird bei schnellen Wechseln deutlich erschwert.

Während die Busse durch die Benutzung der Autobahnen häufig größere Städte und Ballungsgebiete anfahren, fährt die Bahn oft über nur schmal besiedeltes Land mit einer geringen Mobilfunkversorgung. Hinzu kommt, dass in einem Bus deutlich weniger Menschen reisen als in einem Zug mit mehreren Wagen. Die Smartphone-Dichte innerhalb der Bahn ist dadurch wesentlich höher als in einem Bus, die vorhandene WLAN-Kapazität muss auf mehr Menschen aufgeteilt werden.

Deutsche Bahn HotSpotDie Beschaffenheit der Züge und Waggons, die aus Metall und mit Metall bedampften Fenstern bestehen, erschweren den Empfang zusätzlich und schirmen die Mobiltelefone und Tablets im Innern ab. Obwohl es den Meldungen der Bahn zu folge genügend Sendeanlagen am Rand der Strecken gibt, sind diese häufig zu alt, um mit den gestiegenen Anforderungen der modernen Welt mithalten zu können. Bis Endes des Jahres soll deshalb ein massiver Ausbau stattfinden, der die WLAN-Netze effizienter und stabiler macht.

Intrain-Repeater für ICE-Flotte

Um auf Dauer bestehen zu können, wird es zudem nötig, alle Waggons mit sogenannten Intrain-Repeatern auszustatten, die die vorhandenen Signale zusätzlich verstärken und stabilisieren. Während bis Ende 2014 die 255 ICE-Züge des Hauptnetzes an das moderne Netz angebunden werden, sollen bis Dezember 2015 auch die übrigen Züge der Nebenstrecken, sowie 770 IC-Züge mit den Hochleistungsrepeatern folgen. Die Deutsche Bahn hat dann die größte mit WLAN ausgestattete Hochgeschwindigkeitsflotte der Welt.

Für die Millionen Pendler in den Regionalbahnen heißt es dennoch auch weiterhin „Kein WLAN in diesem Zug“. Während die Pläne für die ICE- und IC-Züge konkrete Ausbauten vorsehen, zeigt sich die Bahn gegenüber den Regionalzügen planlos und ohne Engagement.


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