Montag, den 25.08.14 15:00

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Telekom All-IP Umstellung: Fluch oder Segen für Kunden?

Am vergangenen Wochenende hatte die Telekom erneut mit einem größeren ALL-IP-Ausfall zu kämpfen, der allem Anschein nach noch immer nicht vollständig behoben ist. Für viele Betroffene und Kunden die auf All-IP umgestellt werden sollen, stellt sich daher die Frage, wie sicher ist die All-IP-Technik überhaupt und welche Vorteile bzw. Nachteile ergeben sich durch eine Umstellung.

Telekom stellt ISDN auf All-IP um

Die bisher häufig zum Einsatz kommenden ISDN-Anschlüsse haben ausgedient. Bis 2018 sollen sie durch die moderne All-IP-Technik abgelöst und ersetzt werden. Die Telekom hofft, bis zum Stichtag die meisten Kunden auf freiwilliger Basis umstellen zu können. Wer sich vehement weigert, könnte in einigen Jahren zwangsmigriert werden.

All-IP steht für die Datenübertragung per Internet Protokoll, über welches in Zukunft bei allen Anschlüssen sowohl der Rufaufbau und die Vermittlung als auch die Sprach- und Datenübertragung laufen sollen. Das neue System würde nicht nur die Netzinfrastruktur deutlich vereinfachen, sondern auch die Kosten für den Erhalt der Netze senken. Das aus den neunziger Jahren stammende ISDN-Netz wird nicht nur mehr und mehr ineffizient, sondern auch immer wartungsanfälliger. Die notwendigen Ersatzteile sind nur noch schwer aufzutreiben.

Die meisten modernen Telefone, Faxe, Router und übrigen Endgeräte können auf Basis von All-IP arbeiten. Die Telekom stellt ihren Kunden zudem passende Router, etwa den Speedport W724V, zur Verfügung und auch andere Hersteller verwenden mittlerweile die für IP notwendige S0-Schnittstelle statt des für ISDN üblichen NTBA (Network Termination for ISDN Basic Rate Access). Der NTBA verwaltet das ISDN-Signal, das über einen vorgelagerten Splitter vom DSL-Signal getrennt wird. Über die TAE-Dose treffen beide Dienste gleichzeitig ein und müssen vor ihrer Einspeisung in den Router technisch getrennt und aufgearbeitet werden. Beim Einsatz von All-IP entfallen Splitter und NTBA, das ohne zusätzliches ISDN übertragene DSL-Signal wird direkt in den Router geleitet und kann sofort verwendet werden.

Umstellung auf All-IPUmstellung oft Fluch für die Kunden

Auch wenn die meisten modernen Zugangsgeräte problemlos mit der IP-Technik arbeiten können, ist die neue Richtung der Telekom nicht ohne Stolpersteine. Während ISDN durch seine Unabhängigkeit von DSL auch häufig dann funktioniert, wenn Router oder Internetsignal ausfallen, ist bei einer Störung des IP-Anschlusses auch das Telefon betroffen. Fallen Router, Strom oder DSL aus, gehen weder Internet noch Telefon. Beim gleichzeitigen Einsatz von ISDN und DSL funktioniert in der Regel nur das ausgefallene Signal nicht, das andere kann problemlos weiterverwendet werden. Dadurch ist das Telefon meist auch dann verfügbar, wenn ein Stromausfall alle übrigen Geräte lahm gelegt hat.

Ein Ausfall des IP-Zugangs kann hingegen zu großflächigen Störungen führen. Erst vor wenigen Tagen erlebten Kunden den Nachteil eines IP-Anschlusses am eigenen Leib. Durch eine überregional auftretende Störung waren Telefon- und Internet für Stunden gar nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. Allem Anschein nach kämpft die Telekom noch immer mit den Nachwehen der Störung und kann erneut nicht überall einen reibungslosen Empfang sicherstellen.

Die Sprachqualität kann bei der Nutzung von IP schlechter ausfallen als beim Einsatz von ISDN. Während ISDN eine gleichbleibende Qualität liefert, hängt die Übertragung bei All-IP von der Auslastung des Systems und der zur Übertragung notwendigen Strecke ab. Der Einsatz zusätzlicher Geräte wie Bluetooth-Headsets und ähnlichem kann die Signallaufzeit zusätzlich erhöhen und die Verbindung beeinträchtigen.

All-IP kann auch Segen sein

Trotz der vielen Risiken kann eine Umstellung auf All-IP auch Vorteile mit sich bringen. Durch die höhere Bandbreite der IP-Verbindung sind mehrere Gespräche gleichzeitig möglich, beim Einsatz von ISDN waren sie auf maximal zwei parallele Verbindungen beschränkt. Klassische ISDN-Funktionen wie die Konferenzschaltung, die Rufnummernanzeige oder der Rückruf bei Besetzt sind auch über All-IP weiterhin möglich. Die neue Technik unterstützt zudem HD-Telefonie, die durch die Übertragung größerer Spektren ein deutlich besseres Klangbild liefert als die übliche ISDN-Verbindung.

In vielen Fällen ist keine Änderung in Standort oder Verkabelung notwendig. Da der IP-Router Splitter und NTBA ersetzt, kann er in der Regel am gleichen Standort aufgestellt werden wie die alte Hardware. Schwierig wird es jedoch, wenn eigene Umbauten vorgenommen oder Leitungen verlegt wurden. Je nach Ausmaß der Änderung kann eine Anpassung an die neue Technik notwendig werden. Im Zweifel sollte in diesem Fall vorher fachmännischer Rat eingeholt werden.

Telekom StörungUmstellung auf All-IP kann sinnvoll sein

Eine Empfehlung für die Umstellung auf All-IP auszusprechen ist schwierig, da die Vor- und Nachteile sehr stark mit der Nutzung und den Wünschen des jeweiligen Nutzers zusammenhängen. Ein Wechsel von ISDN auf All-IP kann je nach Ausgangslage sinnvoll sein, jedoch bei zu rascher Entscheidung auch zu Problemen führen. In den Social-Media-Kanälen der Telekom häufen sich die Meldungen über Totalausfälle oder nur eingeschränkt verfügbare Verbindungen nach der Umstellung. Andere Nutzer haben jedoch keine Probleme und sind mit dem neuen Standard mehr als zufrieden.

Die Kosten für das getrennte Paket aus ISDN und DSL und den All-IP-Anschluss sind häufig ähnlich, so dass sich im Preisgefüge kaum Vor- und Nachteile ergeben. Vorsicht sollten Betroffene jedoch bei Zusatzoptionen walten lassen, die die Grundpreise schnell in die Höhe treiben können. Durch die höhere Bandbreite wird von der Telekom gern das IP-TV-Angebot Entertain in die Paketpreise integriert und bedeutet einen zum Teil empfindlichen Aufschlag auf den monatlichen Grundpreis.

Auch wenn die Telekom derzeit sehr aggressiv auf eine Umstellung pocht, sollten sich betroffene Kunden nicht unter Druck setzen lassen und die Vorteilhaftigkeit eines Wechsels genau prüfen. Vor allem beim Einsatz spezieller Technik wie ISDN-Alarmanlagen und -Haustürgeräten sollte die Umstellung nicht als Schnellschuss erfolgen um Probleme zu vermeiden.


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