Mittwoch, den 12.11.14 14:32

aus der Kategorie: Mobilfunk

Deutsche Bahn: Mobilfunknetz auf den Strecken lückenhaft

Deutsche Bahn PressebildTrotz stetigem Netzabbau ist ein stabiler Mobilfunkempfang in den Zügen der deutschen Bahn noch immer Mangelware. Vor allem die ländlichen Regionen machen Probleme, erschwerend kommt die technische Ausstattung und Bauweise der Züge hinzu. Die Hintergründe und Ursachen der Probleme haben wir für Sie zusammengefasst.

Deutsche Bahn häufig ohne Netz

Eine Zugreise bietet viele Möglichkeiten, beispielsweise die Vorbereitung der morgigen Präsentation, die Fertigstellung des Uni-Vortrags oder die Zeit, endlich die nächste Folge der Lieblingsserie zu verfolgen. Häufig scheitert das Vorhaben jedoch an der fehlenden oder instabilen Internetverbindung im Zugwaggon. Während in der einen Minute die LTE-Anzeige des Smartphones voll ausschlägt, zeigt das Gerät im nächsten Moment „Kein Empfang“ an – an konstantes Abreiten ist so nicht zu denken.

Die Probleme sind nicht neu, stellen die Bahn allerdings schon seit Jahren vor ein offensichtlich unlösbares Problem und machen den Zugverkehr als Alternative zum Auto oder Fernbus immer unattraktiver. Die Zeitschrift Connect geht in ihrer aktuellen Ausgabe 12/2014 der Frage nach, wie gut der Mobilfunkempfang auf deutschen Strecken wirklich ist und welche Ursachen die zum Teil desolate Situation haben kann.

Das Ergebnis zeigt, dass die Regional- und Fernzüge der deutschen Bahn an vielen Stellen mit einem instabilen Netz zu kämpfen haben. Während die Telefonie auf den getesteten Regionalstrecken noch eine Erfolgsquote von 82 bis 87 Prozent aufweist, erreicht der mobile Datenverkehr lediglich 74 bis 88 Prozent. In den Fernverkehrszügen ist es ähnlich, die Telefonie erreicht Werte zwischen 84 bis 89 Prozent, das mobile Internet 50 bis 63 Prozent. Zum Vergleich: auf den deutschen Autobahnen wurden Telefonie-Werte zwischen 92 und 96 Prozent und Datenerfolge zwischen 89 und 97 Prozent gemessen.

Deutsche Bahn liegt hinter Erwartungen zurück

Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Züge sind vielfältig, ähneln jedoch denen, die für die zum Teil desolate WLAN-Situation des Bahnverkehrs verantwortlich sind. Vor allem die Verteilung der an den Strecken stehenden Mobilfunkmasten hat einen großen Einfluss auf die Versorgung in den Zügen der Deutschen Bahn. Während Städte und Ballungsgebiete für die deutschen Netzbetreiber genügend Anreiz bieten, ein dichtes Netz aus Mobilfunkmasten aufzubauen, sind ländliche Regionen mit wenigen Einwohnern wenig attraktiv. Die Folge: Auf dem Land fehlt es häufig an einer ausreichenden Mastenzahl.

Ein Mobilfunkmast kann einen Radius von rund 5 Kilometern versorgen, entfernt sich der Nutzer aus dem Gebiet, muss der nächste Mast übernehmen. In den Zügen der deutschen Bahn wechseln die Insassen bei Tempo 100 im Durchschnitt alle sechs Minuten den Mobilfunkmasten, in den doppelt oder dreifach so schnellen ICE-Zügen entsprechend häufiger. Die belegte Antenne muss dann in kurzer Zeit mehrere hundert Mobilfunkgeräte aufnehmen und die Daten nach nur wenigen Minuten an die Nachbarzelle weitergeben. Zahlreiche Funkmasten an den Bahntrassen werden demnach wenige male am Tag voll ausgelastet, liegen im Anschluss jedoch lange Zeit brach- ein wirtschaftliches Verlustgeschäft für die Mobilfunkkonzerne.

Doch auch wenn die Bahn durch ein Ballungsgebiet fährt, in dem genügend Masten zur Verfügung stehen, kann es zu Probleme kommen. Schuld ist die Bauweise der Züge, die sie umgebende Metallhülle schirmt Mobilfunkstrahlung weitesgehend ab. Auch die Fenster sind nicht durchlässig. Ihre Aluminiumbeschichtung sorgt zwar dafür, dass sich der Waggon bei Sonneneinstrahlung nicht unnötig aufheizt, lässt jedoch kaum Mobilfunkstrahlung durch. Wie die Connect angibt, erreicht so lediglich ein Tausendstel des Signals das Innere des Zuges – für die meisten Smartphones zu wenig, um damit arbeiten zu können.

Deutsche Bahn GSM-Repeater

Zugabteil mit Handyempfang

Bahn setzt auf GSM-Repeater

Die deutsche Bahn versucht, das Problem mit speziellen Repeatern in den Griff zu bekommen. Die mit der Technologie ausgestatteten Züge sind am Handylogo an den Türen und Wagen zu erkennen. Die Repeater fangen das Signal an der Außenhülle des Zuges ein und leitet es ohne große Verluste ins Innere. Das Problem der aktuell verwendeten Repeater-Generation ist jedoch der Mobilfunkstandard. Die Geräte sind schlicht zu alt und verarbeiten lediglich GSM-Signale.

Dadurch kann in den Repeater-Züge zwar häufig besonders gut telefoniert werden, der Zugang zum UMTS- oder LTE-Netz ist jedoch besonders schlecht. Der Grund dafür ist das verstärkte GSM-Netz (2G-Standard), dass oft so dominant ist, dass andere, deutlich schwächere, Funkwellen keine Chance haben. Die veraltete Repeater-Generation ist den Vorgaben des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) geschuldet, das hohe Anforderungen an die Sicherheit der Geräte stellt. Da Genehmigungsverfahren für die aktuellen Repeater dauerte 5 Jahre, im Mobilfunk eine halbe Ewigkeit. Zum Vergleich, in Deutschland fand die Versteigerung der LTE-Frequenzen im Mai 2010 statt, das erste funktionsfähige LTE-Netz ging im August 2010 an den Start – die GSM-Repeater der Bahn befanden sich da bereits im Genehmigungsverfahren.

Bis Dezember 2015 sollen die meisten ICE- und IC-Züge der deutschen Bahn mit einem zum Teil kostenfreien WLAN-Zugang ausgestattet werden. Um in Zukunft auch beim Mobilfunkempfang eine bessere Versorgung bieten zu können, muss nicht nur die Bahn aktiv werden, auch die Netzbetreiber sind in der Pflicht, ihre Netze in allen Regionen weiter auszubauen.

Deutsche Bahn HotSpot

HotSpot-Netz soll bis 2015 ausgebaut werden


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