Freitag, den 20.03.15 10:55

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Nidononline Abo-Abzocke – Telekom lässt Kunden im Stich

Deutsche Telekom ZentraleEnde Januar berichteten wir über die unrechtmäßige Nidononline Abo-Abzocke von tausenden Mobilfunkkunden im Vodafone-Netz. In den letzten Tagen meldeten sich mehr als ein Dutzend betroffenen Kunden – diesmal im Telekom-Netz. Anders als bei Vodafone zeigt sich hier der Kundenservice der Telekom allerdings weniger kulant und beharrt auf die Forderung des Drittanbieters. Auch eine erste Stellungnahme der Telekom liegt uns vor.

Nidononline Abzocke im Telekom-Netz

Nachdem im Januar tausenden Vodafone-Kunden ein unberechtigtes Abo des Drittanbieters Nidononline untergeschoben wurde, scheint sich die Abzocke offenbar im Telekom-Netz zu wiederholen. Sowohl in unserem Forum als auch per E-Mail erreichten uns Hinweise über eine erneute Abo-Welle des rumänischen Drittanbieters Nidononline SRL.

Anders als bei Vodafone informiert bei der Telekom keine Info-SMS über die Buchung, betroffene Kunden erhalten erst durch ihre Mobilfunkrechnung Kenntnis über den Abschluss eines Abo-Vertrags, der angeblich über die Webseite deujoy.mobi erfolgt sein soll. Es ist außerdem davon auszugehen, dass viele Kunden noch gar nicht ihre Rechnung für den Monat erhalten bzw. geprüft haben.

Telekom beharrt auf Abo-Forderung

Obwohl Nidononline nach ersten Erkenntnissen auch bei den Abos der Telekom-Kunden gegen geltendes deutsches Rechts verstößt, weigert sich der Kundenservice der Telekom, Betroffenen eine Gutschrift zu erstellen. In einer E-Mail eines Telekom-Kunden an den Kundenservice, die unserer Redaktion vorliegt, verweist die Telekom bei Fragen zur Abrechnung auf den Drittanbieter Nidononline und möchte trotz Widerspruchs gegen die Forderung keine Gutschrift des strittigen Betrages vornehmen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Telekom im Gegensatz zu Vodafone die Forderung direkt vom Drittanbieter aufgekauft hat. Dadurch entstünde der Telekom bei zu vielen Gutschriften ein Verlust.

Auch dieses Vorgehen verstößt nach unserer Einschätzung gegen geltendes Recht, denn der Mobilfunkanbieter ist der einzige vertragliche Ansprechpartner beim Widerspruch von Positionen auf einer Mobilfunkrechnung. Selbst wenn sich der Anbieter auf seine AGB beruft, in der eine Klausel zur Abrechnung von Drittanbietern enthalten ist, so ist diese in der Regel unwirksam, da es sich um einen wesentlichen Vertragsbestandteil handelt. Der Hinweis über die Rechnungsstellung von Drittanbietern hätte im Hauptvertrag mit der Unterschrift bestätigt werden müssen.

telekom-aboTelekom Pressestelle hilft nicht weiter

Wir haben die Telekom Pressestelle um eine Stellungnahme zur Abzocke ihrer Kunden durch den Drittanbieter Nidonline gebeten, die Antwort war – wie von uns im Vorfeld erwartet – allerdings unbefriedigend. In der Stellungnahme heißt es zwar: „Die Telekom duldet nicht, dass  ihre Kunden durch Drittanbieter abgezockt werden. Diensteanbieter, die ihre Leistungen über unsere  Mobilfunkrechnung abrechnen wollen, haben wir dazu  verpflichtet, ihre Preise für Kunden transparent darzustellen. Bei Abonnements muss der Kunde zweifach aktiv zustimmen. Sollten sich Diensteanbieter nicht an diese Vorgaben halten, gehen wir dagegen vor.“ Eine klare Distanzierung zu der Abzocke des Drittanbieters Nidononline sieht anders aus. Wir haben selbstverständlich auf die unbestreitbarer Abzocke von Vodafone-Kunden verwiesen.

Neben dieser Aussage weist die Telekom auf einen neuen Bestellprozess speziell für Erotik-Abos hin, welche laut Pressesprecher nur über die Telekom-Infrastruktur realisiert werden können. Hier wird der Kunde auf eine Webseite der Telekom umgeleitet und muss dort „zahlungspflichtig bestellen“ (siehe Screenshot links). Nur dann ist laut Pressestelle die Abrechnung  über die Mobilfunkrechnung der Telekom möglich. Ein versehentliches Bestellen eines Abos, etwa durch Klicken eines Werbebanners, soll dadurch verhindert werden.

Laut der Telekom hätte auch der betroffene Kunden mit den zugespielten Vertragsdaten einen solchen Abo-Abschluss über den speziellen Bestellprozess durchgeführt. Wir haben den Kunden daraufhin nochmals kontaktiert und zur Sachlage befragt. Dieser reagierte überrascht und beteuerte, dieses Fenster noch nie gesehen zu haben. Entweder haben unseriöse Abo-Anbieter längst einen Weg gefunden, um die Umleitung der Telekom zu umgehen oder jemand verschweigt die Wahrheit.

mTan-Betrug

© WoGi – Fotolia.com

Was können Telekom-Kunden tun?

Mobilfunkkunden der Telekom, bei denen ein unberechtigtes Nidononline Abo auf der Rechnung erscheint, sollten der Rechnung schriftlich (Einschreiben oder Fax mit Sendebestätigung) widersprechen. Der Widerspruch muss innerhalb von 8 Wochen nach Zugang der Rechnung erfolgen. Weisen Sie die Telekom im Schreiben darauf hin, dass Sie keinen Vertrag mit Nidononline abgeschlossen haben und setzten Sie der Telekom eine Frist, um den widersprochenen Betrag zu erstatten. Fordern Sie zudem die Telekom zu einem Nachweis ihres schriftliches oder aufgezeichnetes (Sprache) Vertragsverhältnisses mit Nidononline auf. Weisen sie vorsorglich darauf hin, dass ein Prüfprotokoll in unqualifizierter, lapidarer Form nicht akzeptiert wird (Urteil des AG Papenburg, 30.10.2008, Az. 4 C 247/08).

Alternativ ist auch eine Rückbuchung der eingezogenen Lastschrift innerhalb von 8 Wochen möglich. Kürzen Sie den Rechnungsbetrag um den widersprochenen Posten und überweisen Sie die unstrittige Summe unverzüglich an die Telekom. Die Telekom sollte über die Rückbuchung unverzüglich schriftlich informiert werden, um eine Sperrung des Anschlusses zu vermeiden. Leider kommt es immer wieder vor, dass Mobilfunkanbieter bei einer Rückbuchung den Mobilfunkanschluss sperren, obwohl dies bei einer strittigen Rechnung unzulässig ist. Korrigiert die Telekom die widersprochene Handyrechnung nicht, so ist unter Umständen sogar eine außerordentliche Kündigung möglich. So schreibt der renommierte IT-Anwalt Hollweck in seinem Online-Ratgeber für Drittanbieter, Fremdanbieter und Mehrwertdienste auf der Mobilfunkrechnung:

„Es darf nicht sein, dass eine widersprochene Handyrechnung mit fehlerhaften Fremdanbieterbeträgen nicht korrigiert wird. Es besteht für Sie dann die Gefahr, dass Sie dauerhaft falsche Mobilfunkrechnungen von Ihrem Provider erhalten. Das führt zu einem unkalkulierbaren Kostenrisiko, da Sie nicht wissen, wie hoch die Rechnungsbeträge der Folgemonate sein werden, da Rechnungsposten ohne vertragliche Grundlage und ohne die Inanspruchnahme von Leistungen abgerechnet werden. Aus diesem Grund haben Sie das Recht zur außerordentlichen Kündigung, um keiner zukünftigen Kostengefahr ausgesetzt zu sein.“

Man muss es nicht beschönigen: Nach wie vor werden Monat für Monat tausende Mobilfunkkunden mit freundlicher Unterstützung der Mobilfunkanbieter von Drittanbietern abgezockt. Selbst die eingeführte „Button-Lösung“ konnte das Problem nicht beseitigen, wenn es Kunden aktuell derart schwer haben, unberechtigt eingezogene Abo-Gebühren von unseriösen Unternehmen wie Nidononline zurückzufordern. Leider können wir aufgrund des Umfangs nicht detailliert auf das Vorgehen gegen unberechtigte Gebühren von Abo-Anbietern eingehen und möchten dies an anderer Stelle nachholen. Wir empfehlen daher zunächst den Musterbrief von AntiSpam und den bereits genannten Ratgeber der Kanzlei Hollweck. Es wäre schön, wenn dieser Artikel geteilt wird und andere Medien zur Berichterstattung animiert. Nur so kann die breite Öffentlichkeit über die nach wie vor bestehenden Missstände bei Abo-Diensten informiert werden.

Wie sind ihre Erfahrungen als Abo-Geschädigter? Wurde beim Nidononline-Abo der angepriesene Bestellprozess der Telekom angezeigt?


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5 Kommentare zu Nidononline Abo-Abzocke – Telekom lässt Kunden im Stich

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  1. Stefan schrieb am 05.05.2017 um 14:52

    Es ist noch nicht vorbei.
    Mir ist das 2016 passiert. jetzt hat die T-Kom ihr Vorderungen an EOS SAF weitergereicht.
    Eine Zustimmung zu einem ABO gibt es nicht. Nur meine IP adresse. Dieses ist auch nur möglich mit dem Handy. Keiner sieht was im Hintergrund passiert. Habe meine Verträge gekündigt.

  2. Volker schrieb am 18.05.2015 um 09:54

    Bei mir war’s zwar nicht nidononline sondern mining trading, aber den Bestellprozess lt. Screenshot habe ich ebenfalls nicht gesehen.

  3. Manu schrieb am 11.04.2015 um 15:33

    Hallo,
    ich bin auch eine der Geschädigten und Telekom-Kunde.
    NEIN, ich habe diesen angezeigten Bestellprozess noch nie vorher gesehen. Das wäre mir aufgefallen!
    Ich habe von einem Abo und von Nidononline erst durch meine Telefonrechnung (per 01.04.15!) Kenntnis erhalten.
    MfG
    M.

  4. Grundsätzlich, bei Abbuchung kann der Kunde innerhalb von 8 Wochen den Abbuchungsbetrag mit wenigen Klicks auf seinem Online-Konto zurück holen. Dann den Provider informieren und wenn dass nicht hilft, die Bundesnetz-Agentur.

  5. ortl schrieb am 25.03.2015 um 21:40

    kann das Ganze nur bestätigen. Ein Anruf bei der hotline wurde abgebügelt, nachdem ich nach der Aufsichtr verlangt hatte wurde aufgelegt.
    Super Service der Telekom

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