Donnerstag, den 18.06.15 11:36

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Yourfone-Shops: o2- und BASE-Shopbetreiber wehren sich

o2 Shop YoungDie vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Details zur Yourfone-Übernahme von rund 300 o2- und BASE-Shops scheidet vor allem in den Reihen der betroffenen Shopbetreiber die Geister. Für Kritik sorgt nicht nur das in die Länge gezogene Auswahlverfahren der zur Umwandlung vorgesehen Shops, sondern auch das sehr niedrige Abfindungsprogramm, welches die Betreiber nicht ausreichend entschädigt und von vielen als Frechheit empfunden wird.

o2- und BASE-Shops werden zu Yourfone

Die an die erfolgreiche Übernahme der ehemaligen KPN-Marke E-Plus durch die o2-Mutter Telefónica gekoppelten Vorgaben sehen nicht nur eine Öffnung der Netzkapazitäten für den Kooperationspartner Drillisch, sondern auch die Abgabe von mehreren hundert Shops des gemeinsamen o2- und BASE-Bestandes vor. Obwohl die Pläne bereits seit Herbst 2014 bekannt waren, informierte Telefónica die betroffenen Shops erst vor wenigen Tagen.

Zahlreiche Shopbetreiber und Mitarbeiter bangten monatelang um ihre Arbeitsplätze und wurden ohne nähere Informationen im Regen stehen gelassen. Nun, da die Liste der von der Übergabe an Drillisch betroffenen Shops bekannt ist, muss es jedoch schnell gehen. Wie Telecom-Handel berichtet, soll die Abwicklung binnen weniger Tage abgeschlossen und die vollständige Übergabe bis Ende Juni/Anfang Juli vollzogen sein.

Von der Umstrukturierung sind rund 200 Partnershopbetreiber und etwas mehr als 100 Direkt-Filialen, jeweils hauptsächlich aus dem BASE-Bestand, betroffen. Anders als die Filialen, deren Mitarbeiter direkt bei Telefónica unter Vertrag stehen, werden die Partnershops von selbständigen Inhabern betrieben, die zum Teil seit vielen Jahren für E-Plus oder o2 tätig sind. Binnen weniger Tagen sollen sie nicht nur ihren Kundenstamm und ihre Reputation aufgeben, sondern auch ihre Existenz in die Hände Drillischs übergeben. Telefónicas Wunsch ist es, dass sie möglichst rasch einen Aufhebungsvertrag unterschreiben.

Shopbetreiber üben den Widerstand

Die Hektik, die Telefónica nach Monaten des Schweigens an den Tag legt, überfordert viele Betreiber, die den geplanten Wechsel zu Drillisch in Ruhe durchdenken wollen. „Erst haben die ein Dreivierteljahr nichts gesagt, und jetzt kann es nicht schnell genug gehen“, ärgert sich ein Betroffener gegenüber Telecom-Handel.

Telefónica bietet wechselwilligen Betreibern eine Abfindung an, die für die Betroffenen jedoch lediglich einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen dürfte. Gerade einmal 20 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes bietet das Unternehmen seinen zum Teil jahrelang treuen Partnern. Gleichzeitig stellt Telefónica jedoch umfangreiche Bedingungen, etwa die, dass abgefundene Partner ihren bisherigen Kundenstamm 18 Monate lang nicht kontaktieren und auf die Angebote von Yourfone aufmerksam machen dürfen.

De Facto bedeutet das, mit einer neu in den Direktvertrieb startenden Marke von Null zu beginnen. Ob Yourfone als Shopmarke Erfolg haben wird, wie lange es dauert, bis ein effizienter Kundenstamm aufgebaut werden kann, welche Umsätze möglich sind und wie am Ende des Jahres die Bilanz aussieht – für zahlreiche Betreiber ungewisse Faktoren, die eine Kalkulation unmöglich machen und ein hohes Risiko bedeuten. Vor allem dann, wenn sie ihr bislang erfolgreiches Geschäft mit o2 oder BASE binnen weniger Tage gegen die Ungewissheit Yourfones eintauschen sollen.

Yourfone Shop Drillisch

Konzept der Yourfone-Shops (Quelle: Telecom Handel)

Yourfone-Shops anstelle von BASE und o2

In den Augen der Betroffenen müsse die Abfindung aus diesem Grund deutlich höher ausfallen. Zum einen, um die unkalkulierbaren Risiken abzudecken und zum anderen, um eine Motivation für einen Wechsel zu bieten. Yourfone selbst plant, seinen Partnern Provisionen zwischen 25 Euro und 550 Euro auszahlen zu wollen, für letztere muss der Kunde jedoch einen LTE XL inklusive Handy im Wert von monatlich 79,99 Euro abschließen. Hinzukommt eine Airtime-Beteiligung in Höhe von etwa 10 Prozent.

In den Augen interessierter Kunden ist Yourfone jedoch vor allem als günstiger Anbieter bekannt und gehörte vor einigen Jahren zu den ersten, die mit einer Allnet-Flat für 20 Euro pro Monat an den Start gingen. Es dürfte fraglich sein, wie häufig sich Kunden für die hochpreisigen Tarifvarianten entscheiden und damit mehrere einhundert Euro Provision in die Kasse spülen.

„Natürlich wird es kleine Betreiber geben, die sich über 20.000 Euro auf die Hand freuen und von bis zu 550 Euro Provision blenden lassen, wobei der dazugehörige Vertrag mit 79,99 Euro monatlicher Grundgebühr wohl nur schwer zu verkaufen ist.“, erklärt ein Partnershopbetreiber. „Viele haben auch einfach Angst um ihre Zukunft und suchen daher eine schnelle Bindung. Unsere Existenz basiert heute doch hauptsächlich auf der VVL, auch viele Folgegeschäfte generieren wir daraus, etwa DSL-Verträge oder Versicherungen.“ Ein weiterer Betroffener meint: „Es fehlen einfach die Mehrwerte für die Kunden. Und auch eine Billsize gibt es anfangs ja nicht. Ohne Bestandskunden ist so ein Shop wirtschaftlich nicht tragbar.“

Betreiber wehren sich gegen die Umwandlung

Wie Telecom-Handel berichtet, haben trotz der Hindernisse bereits einige Shopbetreiber unterschrieben, „auch um die versprochene Speed-Prämie zu kassieren oder – wie es mehrfach heißt – weil vereinzelte Außendienstler subtil damit gedroht haben, dass man ohne Unterschrift auch mit den verbleibenden Shops Probleme bekommen könnte“.

Telefónica

Die große Mehrheit dürfte sich jedoch gegen die schnelle Abwicklung wehren und wartet auf ein überarbeitetes Abfindungsangebot. „Telefónica muss jetzt mit einem extrem vernünftigen Angebot kommen, das eine echte Zukunftsplanung ermöglicht.“, bestätigt ein Betreiber. „Wenn man in der Lage ist, viel Restrukturierungsgeld in hohe Mitarbeiter-Abfindungen zu stecken, dann kann man auf dieser Basis auch mit den Partnern eine Lösung finden. Wir haben immer sehr erfolgreich mit Telefónica zusammengearbeitet und wollen das auch weiterhin gerne tun. Doch das, was derzeit passiert, entbehrt jeglicher Strategie und sozialer Kompetenz. Die Enttäuschung ist wirklich sehr groß, und Telefónica sollte nicht unterschätzen, dass die meisten Partner mittlerweile auch einen Rechtsbeistand haben.“

Ob Telefónica der Forderung nachkommen und ein verbessertes Angebote unterbreiten wird, ist unklar. Möglicherweise droht wechselunwilligen Shopbetreibern, die nicht auf den Abfindungsvertrag eingehen wollen, demnächst die Kündigung. Ob Telefónica diesen letzten Schritt tatsächlich gehen wird oder versucht, eine einvernehmliche Einigung zu erzielen, wird sich zeigen.


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1 Kommentar zu Yourfone-Shops: o2- und BASE-Shopbetreiber wehren sich

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  1. anon schrieb am 19.06.2015 um 12:01

    Im Vergleich zu der „subtilen“ Bereinigung bei Kabel Deutschland „Partnern“ ist das Angebot von Telefónica ja noch gut.

    Bei KD wurden schlicht und ergreifend zahlreichen Betreiber, die den Absatz-Ansprüchen nicht mehr genügten gekündigt.

    Interessant wird es aber auch hier noch werden, wenn komplett auf Vodafone umgeflaggt wird – mit Abfindungen würde ich da nicht rechnen.

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