Mittwoch, den 25.11.15 11:39

aus der Kategorie: DSL & Internet, Telekom T-Home

Bundesnetzagentur: Telekom erhält ihr Monopol zurück

VDSL VectoringDie Bundesnetzagentur hat den Vectoring Ausbauplänen der Telekom grünes Licht gegeben und stattet das Unternehmen mit umfassenden Befugnissen aus. Eigenen Angaben zufolge will die Telekom vor allem die Internetversorgung Deutschlands verbessern, könnte dank der Genehmigung jedoch auch in den Wettbewerb eingreifen und die Marktsituation nach eigenen Vorstellungen steuern.

Bundesnetzagentur genehmigt Telekom-Pläne

Im Februar dieses Jahres reichte die Telekom bei der Bundesnetzagentur einen Regulierungsentwurf ein und bat um exklusiven Zugang zu den rund 7.900 Hauptverteilern im Bundesgebiet. Bislang gewährte die Bundesnetzagentur gleichberechtigten Zugriff zu den Knotenpunkten und ihren Nahbereichen und bevorzugte keinen Anbieter.

Die Telekom will die Hauptverteiler und die HvT-Nahbereiche im Umkreis von 550 Metern nutzen, um verstärkt Vectoring zu schalten und die Kapazität der Internetanschlüsse zu erhöhen. Das Problem: Aus technischen Gründen kann das VDSL2-Vectoring an einem Knotenpunkt lediglich von einem Anbieter erschlossen werden, um Störungen zu vermeiden. Hat die Telekom die Arbeit aufgenommen, sind die Verteiler für Wettbewerber gesperrt.

Bereits im Februar kritisierten Branchenverbände und Verbraucherschützer die Pläne der Telekom und befürchteten die Rückkehr des Monopols sowie massive Einbußen im Wettbewerb. Die Bundesnetzagentur versprach, den Antrag genau auf seine Vor- und Nachteile prüfen zu wollen, erhielt jedoch Druck von der Bundesregierung, die die Aufsichtsbehörde zu einer Zustimmung drängte. Offenbar gibt es Pläne für einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit der Telekom, in dem sich das Unternehmen verpflichtet, mindestens 80 Prozent aller Haushalte mit Vectoring zu versorgen.

Telekom erhält Quasi-Monopol

Ein vor wenigen Tagen veröffentlichter Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur sieht vor, den Antrag der Telekom zu genehmigen und dem Unternehmen Zugang zu den Hauptverteilern zu gewähren. Die Kritik ist wie erwartet groß, zahlreiche Wettbewerber befürchten die Rückkehr des Telekom-Monopols.

Die Telekom darf, sofern der Entwurf umgesetzt wird, auf den Kupferleitungen der sogenannten letzten Meile, der Strecke zwischen Hauptverteiler und Wohnung, Vectoring einsetzen und die Geschwindigkeit auf bis zu 100 Mbit/s erhöhen. Auf Knotenpunkte, an denen das Telekom-Vectoring ausgebaut wird, kann kein Wettbewerber zugreifen. Der direkte Zugang zum Kunden ist für sie gesperrt, die Telekom kann jedoch Vorleistungsprodukte anbieten, die andere Anbieter in Anspruch nehmen können.

Telekom Vectoring

Die ursprünglichen Pläne sahen vor, dass die Telekom auch Knotenpunkte übernehmen darf, die bereits von Wettbewerbern mit Vectoring ausgebaut wurden beziehungsweise an denen Arbeiten in Gange sind. Die Vorgabe hat die Bundesnetzagentur nicht übernommen, fordert jedoch von den Wettbewerbern bis Mai 2016 feste Zusagen zu den Ausbauoptionen und einen Abschluss der Arbeiten bis Ende 2017. Die Telekom hat keine solchen Pflichten und muss die gemachten Versprechen nicht bis zu einem bestimmten Termin umsetzen.

Die Regelung gilt jedoch nur für Hauptverteiler, an denen ein Wettbewerber bereits jetzt die Mehrheit der Leitungen besitzt. Knotenpunkte, an denen die Telekom vorherrscht, bleiben auch in Zukunft in der Hand des Bonner Unternehmens. Die Telekom ist mit der Änderung der Bedingungen nicht einverstanden und deutet in ersten Meldungen an, Gebiete von den Ausbauarbeiten auszuschließen, etwa Regionen, die wirtschaftlich nicht attraktiv erscheinen.

Bundesnetzagentur würgt Glasfaser-Ausbau ab

Auch wenn der Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur auf den ersten Blick Vorteile für Kunden und Nutzer verspricht, könnte die Regulierung den Glasfaser-Ausbau in der Republik ausbremsen. Das VDSL2-Vectoring der Telekom nutzt das Kupferkabel-Netz, welches vielerorts bereits vorhanden beziehungsweise schnell und kostengünstig ausgebaut werden kann. Der von vielen Anbietern und Gemeinden favorisierte Glasfaserausbau ist im Vergleich nicht nur kostenintensiver, sondern nimmt auch deutlich mehr Zeit in Anspruch. Mit ihm sind die Pläne der Bundesregierung, bis 2018 jeden Haushalt mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen, nicht zu schaffen.

Vectoring über das Kupferkabel stellt jedoch lediglich eine kurzfristige Lösung dar. Glasfaser-Netze können Informationen bis zu einhundertmal schneller als Kupferleitungen transportieren und sind für die steigenden Datenmengen der nächste Jahre besser gerüstet. Die Kapazitäten der Kupferleitungen werden in einigen Jahren nicht mehr ausreichen, um die riesigen Datenmengen weiterleiten zu können.

Bis Januar haben die Parteien die Möglichkeit, Einwände gegen den Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur einzureichen. An der Umsetzung selbst wird sich jedoch nicht mehr viel ändern, befürchten Branchenverbände.


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2 Kommentare zu Bundesnetzagentur: Telekom erhält ihr Monopol zurück

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  1. McDamian schrieb am 10.12.2015 um 01:43

    Muss nicht zwingend heißen, dass die Preise wieder klettern.

    Lieber hat nur einer Zugriff auf die Hauptverteiler, als das immer mehr Anbieter dort mitmischen und gegebenenfalls den Ausbau bremsen. Soll die Telekom all das wieder in die Hände bekommen und somit ein einheitliches System schaffen, statt immer Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Dann wären wir auch deutlich weiter in Deutschland.

  2. susi schrieb am 26.11.2015 um 04:43

    “….könnte dank der Genehmigung jedoch auch in den Wettbewerb eingreifen und die Marktsituation nach eigenen Vorstellungen steuern. ….”

    Und vor allem die Preise auf dem Markt diktieren und hochschrauben.

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