Donnerstag, den 21.01.16 16:45

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Primacom-Kunden müssen bis zu 10 Euro im Monat mehr zahlen [Update]

primacomPrimacom Preiserhöhung – Nur wenige Tage nachdem Tele Columbus und primacom neue Tarife für das Frühjahr angekündigt haben, trudeln bei zahlreichen Kunden Informationsschreiben ein, die sie darüber in Kenntnis setzen, dass ihr Internet- und Festnetz-Tarif ab März deutlich mehr kosten wird. Die Preissteigerung beträgt zum Teil mehr als 10 Euro pro Monat und trifft vor allem Kunden mit älteren Tarifen. Update: primacom erklärt, weshalb Bestandskunden mehr bezahlen.

primacom Preiserhöhung für Bestandskunden

Mit dem im März 2016 an den Start gehenden neuen Tarif-Portfolio bereinigt die primacom offenbar auch die alte Tarifstruktur und will so viele Kunden wie möglich auf die neuen Angebote umstellen. Der seit 2015 zu Tele Columbus gehörende Kabelnetzbetreiber informiert seine Kunden in diesen Tagen über eine Tarifanpassung, die zum Teil hohe Mehrkosten beinhaltet.

In einem uns vorliegenden Schreiben erklärt das Unternehmen die Hintergründe mit „gestiegenen Ansprüchen an Leistungs- und Nutzungsmöglichkeiten“ und in der Vergangenheit vorgenommen Investitionen in die Netzinfrastruktur und den Service. Zudem stünden durch den Zusammenschluss mit Tele Columbus neue Möglichkeiten zur Verfügung, etwa die in einigen Regionen angebotene Datenrate von bis zu 400 Mbit/s.

Ab März könne das Unternehmen deutlich verbesserte Konditionen bieten, etwa eine „leistungsstarke WLAN-Versorgung“ und die „Möglichkeit der Nutzung unseres gesamten Community WLAN von primacom und Tele Columbus“. Mit dem neu an den Start gehenden Community WLAN können Kunden in Zukunft deutschlandweit auf rund 50.000 Hotspots zugreifen und auch unterwegs WLAN nutzen.

Anpassung um bis zu 10 Euro

Die Preisanpassung hat es jedoch zum Teil in sich und beträgt mehrere Euro pro Monat. In einem uns vorliegenden Fall kam bislang ein 3er Paket 6 zum Preis von 29,99 Euro monatlich zum Einsatz. Ab 1. März 2016 sollen die Kunden nun jedoch die neue 3er Kombi 20 nutzen, die erst ab März zur Verfügung stehen und satte 39,99 Euro pro Monat kosten wird – ein Plus von rund 33 Prozent.

primacom Preiserhöhung

primacom informiert über die Preisanpassung

Zwar informiert die primacom darüber, dass der neue Tarif eine Internetbandbreite von 20 Mbit/s aufweist, weitere Details zum neuen Tarif und den neuen Konditionen fehlen jedoch. Allerdings heißt es ohne Umschweife: „Für den Fall, dass sich der monatliche Betrag geändert haben sollte, passen wir automatisch die erteilte Einzugsermächtigung an.“

primacom räumt betroffenen Kunden ein Widerrufsrecht bis einschließlich 18. Februar 2016 ein, die Informationsschreiben sind auf den 18. Januar 2016 datiert. Was ein Widerruf konkret bedeutet und welche Konsequenzen er hat, lässt das Unternehmen offen. Ebenso wird versäumt, auf das mögliche Sonderkündigungsrecht hinzuweisen, welches in Punkt 5.11 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgehalten ist. Dort heißt es: „Sollte eine Entgelterhöhung gemäß Ziffer 5.10 mehr als 5% des im Zeitpunkt der Erhöhung geltenden Entgelts betragen, so ist der Kunde berechtigt, den Vertrag bezüglich der betroffenen Vertragsleistungen vorzeitig innerhalb von 4 (vier) Wochen nach Zugang der Mitteilung über die Entgelterhöhung zu kündigen.“ Zwar liegen dem Schreiben die AGB bei, in denen das Sonderkündigungsrecht festgehalten ist, betroffene Kunden müssen den Passus jedoch selbst suchen und die richtigen Schlüsse ziehen, ein separater Hinweis fehlt.

priacom Preiserhöhung

primacom Preiserhöhung mit vielen offenen Fragen

Neben den unklaren Konsequenzen eines Widerrufs, den fehlenden Hinweisen auf das Sonderkündigungsrecht und der zum Teil massiven Preiserhöhung, lässt die primacom offen, wie sich der automatische Wechsel des Tarifes zu März 2016 auf die Laufzeit des Vertrages auswirkt. Findet eine automatische Verlängerung um weitere 12 oder 24 Monate statt oder bleibt die ursprüngliche Laufzeit bestehen?

Ein weiterer Kritikpunkt ist die für Bestandskunden angewendete Preispolitik, die die neuen Tarife zu deutlich teureren Konditionen anbietet als es für Neukunden der Fall ist. In der vor wenigen Tagen veröffentlichten Pressemitteilung nennt die primacom für die 3er Kombi 20 einen monatlichen Paketpreis von 29,99 Euro, der für Neukunden in den ersten zwölf Monaten um 5 Euro reduziert wird. Die betroffenen Kunden im Informationsschreiben sollen für den gleichen Tarif hingegen dauerhaft 39,99 Euro pro Monat zahlen und liegen damit nicht nur deutlich über den Konditionen ihres Alttarifs, sondern auch 10 Euro pro Monat über den regulären Tarifkosten, die das Unternehmen für Neukunden ausruft.

primacom Widerruf und Sonderkündigung

Betroffene primacom Kunden können, wie im Schreiben angekündigt, bis 18. Februar 2016 von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen. Unklar ist jedoch, welche Konsequenzen das Unternehmen aus der abgelehnten Umstellung zieht. Es ist anzunehmen, dass die bislang gültigen Tarifkonditionen beibehalten werden und bis zum Ende der regulären Laufzeit gültig bleiben. Allerdings sollten sich Betroffene darauf einstellen, zum Ende der Laufzeit erneut mit einem angestrebten Wechsel konfrontiert zu werden und bei erneuter Ablehnung eine Kündigung seitens der primacom zu erhalten.

TeleColumbus Primacom

Sollte die primacom Preiserhöhung mehr als 5 Prozent betragen, gesteht das Unternehmen betroffenen Kunden zudem ein Sonderkündigungsrecht zu und entlässt sie vor Ablauf der Laufzeit aus dem Vertrag. In diesem Fall wird der Vertrag zum „Zeitpunkt des Inkrafttretens der Entgeltanpassung“ beendet und zum 1. März 2016 deaktiviert.

Wir raten dazu, der geplanten Anpassung zu widersprechen, sollten Sie mit der Preiserhöhung nicht einverstanden sein. Fraglich ist derzeit noch, ob die versendeten Informationsschreiben eine rechtliche Gültigkeit besitzen, da sie weder genauere Details zur Umstellung, noch Informationen zu den Konsequenzen eines Widerrufs oder Hinweise auf das in den AGB genannte Sonderkündigungsrecht enthalten. Wir haben die primacom diesbezüglich kontaktiert und ergänzen den Artikel, sobald uns eine Antwort vorliegt.

Update: Deswegen zahlen Bestandskunden mehr

Mittlerweile liegt uns eine Antwort der primacom vor und erklärt, wie es zu den unterschiedlichen Preisen bei Neu- und Bestandskunden kommt. Wie Pressesprecher Mattias Persson mitteilt, resultiert der höhere Paketpreis mit einem Plus von bis zu 10 Euro pro Monat aus den eingerechneten Gebühren für den Kabelanschluss. Diese fehlen offenbar im vor wenigen Tagen veröffentlichten Portfolio, welches ab März 2016 gültig ist, da zahlreiche primacom-Kunden ihren Kabelanschluss über den Vermieter und die Mietnebenkosten entrichten:

Bestandskunden müssen nicht dauerhaft mehr zahlen als Neukunden. In den aufgeführten Preisen in der gemeinsamen Pressemitteilung ist der Preis für den erforderlichen Kabelanschluss in den 3er Kombi-Paketen nicht aufgeführt. Die Begründung dafür ist recht einfach: Viele unserer Kunden begleichen diese Kosten für den Kabelanschluss bereits über die Mietnebenkosten. Bei Neuabschluss für eine 3er Kombi kommt ein monatlicher Preis von 10,00 € für den Kabelanschluss hinzu, sofern die Kosten dafür nicht in den Mietnebenkosten inkludiert sind. Somit werden Bestandskunden und Neukunden gleich behandelt.

Betroffene Kunden, die gegen die geplante Tarifänderung Widerspruch einlegen, können den Angaben zufolge ihre bisherigen Konditionen unverändert weiter nutzen. „Im Falle eines Widerspruchs ändert sich für den Kunden nichts“, verspricht Mattias Persson. Allerdings steht es der primacom weiterhin frei, den Vertrag zum Ende der Laufzeit zu beenden. Kunden, die von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen wollen, sollten dies im Hinterkopf behalten.

Auf die Frage, weshalb im Informationsschreiben zwar ein möglicher Widerspruch, nicht jedoch das in den AGB verankerte Sonderkündigungsrecht angesprochen wird, erhielten wir folgende Antwort:

Die Widerspruchsmöglichkeit bietet dem Kunden eine problemlose Fortführung des Vertrages zu den ursprünglichen Bedingungen und erzeugt keinen Zugzwang, sich einen neuen Anbieter suchen zu müssen. Mit der Widerspruchsmöglichkeit folgen Tele Columbus und primacom den Empfehlungen der Verbraucherschützer. Das Recht zur Sonderkündigung bleibt hiervon unberührt.

Weshalb die Informationen zum neuen Tarif eher dünn ausfallen und betroffene Kunden nur wenige Hinweise zum neuen Tarif und dessen Konditionen erhalten, begründet der Pressesprecher der primacom mit der „Vielfalt der alten Tarifwelt und der dazugehörigen Wechseloptionen in die neue und einheitliche Tarifwelt“. Aus diesem Grund habe das Unternehmen Sonder-Hotlines eingerichtet, die interessierten Kunden weitere Informationen zur Verfügung stellen. „Die jeweiligen Telefonnummer wurden in den Anschreiben kommuniziert.“


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