Dienstag, den 06.09.16 17:09

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EU Roaming mit Einschränkungen eine Mogelpackung

Roaming Deutsche TelekomEU Roaming Einschränkungen – Die für 2017 versprochene  Abschaffung der Roaminggebühren wird nicht in dem Umfang umgesetzt wie angekündigt. Statt einem vollständigen Ende sieht ein Entwurf der EU-Kommission lediglich 90 gebührenfreie Tage pro Jahr vor. Nicht nur Verbraucherschützer sind von der Regelung enttäuscht.

EU Roaming Einschränkungen

Das Aus für die innerhalb der EU erhobenen Roaminggebühren soll im Juni 2017 kommen. Ab diesen Zeitpunkt können Reisende ohne zusätzliche Kosten kommunizieren und müssen nicht mehr auf etwaige Roamingkosten achten – so lauteten zumindest die vollmundigen Versprechen, mit denen die Neugestaltung der aktuellen Gebühren im April 2016 erklärt wurde.

Die neuerdings erhobenen Aufschläge zum jeweils gültigen Inlandstarif seien eine Übergangslösung, hieß es zum damaligen Zeitpunkt, ab Sommer 2017 werden die Gebühren dann vollends Geschichte sein. Wie nun bekannt wurde, hat die EU offenbar mehr versprochen als sie letztendlich halten kann. Anlass für das vergleichsweise heftige Zurückrudern der EU dürften vor allem die Mobilfunkanbieter sein, die schon seit Jahren vehement gegen eine Abschaffung der Roaminggebühren vorgehen.

Die eigenen Versprechen – zumindest ansatzweise – einhalten und dennoch nicht den Mobilfunkern auf die Füße treten – diese oder ähnliche Gedankengänge dürften zum jüngsten Kompromiss geführt haben, den die EU-Kommission am Montag in einem ersten Entwurf bekannt gegeben hat. Roaminggebühren abschaffen? Ja gern, aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Roaming nur 90 Tage kostenlos

In den kommenden Wochen debattieren die EU-Kommission, die Mitgliedsstaaten und andere beteiligte Parteien über den Vorschlag, das Roaming nur für 90 Tage im Jahr kostenfrei anzubieten. Wer sich länger im Ausland aufhält muss weiterhin festgelegte Aufschläge entrichten. Zudem können die Mobilfunkanbieter verlangen, dass sich ein Nutzer aller 30 Tage einmal im Heimatnetz einwählt. Drei Wochen Strandurlaub in Spanien – Kein Problem. 12 Wochen Auslandspraktikum in Rom – Das könnte teuer werden.

o2 LTE Roaming

Eine Sonderregelung soll es für Grenzgänger und Kunden in grenznahen Regionen geben, die nicht immer verhindern können, dass sich ihr Mobiltelefon in das stärkere ausländische Netz einbucht. Wählt sich das Gerät am gleichen Tag wieder ins heimische Netz ein, wird der Tag nicht als einer der 90 Roamingtage gewertet. Doch auch hier bleiben Fragen offen.

Was passiert beispielsweise, wenn man an einem Tag durch zwei europäische Länder reist, am Abend allerdings wieder Zuhause ankommt? Oder wie verhält es sich, wenn das eigene Telefon nicht gewillt ist, in Grenznähe freiwillig das heimische Netz zu benutzen und unbemerkt für länger im ausländischen verharrt, etwa weil das das stärkere Signal aufweist? Mit den derzeitigen Informationen wirken die Vorgaben vor allem für Nutzer in Grenznähe nicht wie die viel beschworene Verbesserung, sondern eher wie ein altes Problem in neuem Gewandt.

EU Entwurf enttäuscht auf ganzer Linie

Auch wenn abzusehen war, dass die vollmundigen Ankündigungen zumindest etwas heiße Luft enthalten, enttäuscht der aktuelle Entwurf auf ganzer Linie. Natürlich ergeben sich für die meisten Kunden Vorteile, immerhin können sie ihren Tarif ab Sommer 2017 auch im Ausland nutzen, ohne Aufschläge, Gebühren oder dergleichen entrichten zu müssen. 90 Tage dürften zudem den Jahresurlaub der meisten Nutzer locker abdecken. Die 30-Tage-Frist, nach der man sich gegebenenfalls wieder im heimischen Netz einwählen muss, trübt den Spaß dann aber doch ein wenig. Längere Auslandsaufenthalte, etwa sechs Woche Toskana im lauschigen Weingut, sind – zumindest dann, wenn man nach vier Wochen keinen Zwischenstopp in Deutschland einlegen möchte – nicht abgedeckt.

Auch bei den Interessengruppen und Verbrauchschützern in Deutschland stößt der Entwurf auf Kritik. Nicht vorrangig, weil sie die 90 Tage als zu kurz ansehen, sondern vielmehr, weil durch sie und die 30-Tage-Frist ein aktiver Wettbewerb zwischen den europäischen Mobilfunkanbietern verhindert wird.

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Die Befristung hat nämlich, und das gibt die EU auch recht offen zu, den Sinn, dass ausländische Tarife nicht attraktiver werden als die inländischen. Die EU-Kommission möchte verhindern, dass der schwedische Mobilfunktarif, der möglicherweise deutlich günstiger ist als alles, was es hierzulande gibt, dauerhaft in Deutschland genutzt wird. Oder der spanische Tarif in Frankreich, der so viel attraktiver ist als die Angebote der französischen Netzbetreiber. Die Befürchtungen der EU: Ein europaweiter Wettbewerb könnte zu höheren Preisen im Inland führen.

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) ist sich hingegen sicher: “Lebhafter Wettbewerb unter den Telefonanbietern in Europa führt zu einer höheren Angebotsvielfalt und niedrigeren Preisen. Insofern kann der Verbraucherzentrale Bundesverband die Befürchtungen der Kommission vor höheren Preisen nicht teilen, sondern befürchtet eine Einschränkung des Wettbewerbs.”

EU Roaming bleibt Mogelpackung

Inwieweit die Mobilfunkanbieter beim aktuellen Entwurf der EU-Kommission ihrer Finger im Spiel haben, lässt sich nicht sagen. Zufrieden dürften sie jedoch vorerst sein. Wenn sie schon der, zumindest zeitweisen, Abschaffung der Roaminggebühren nichts entgegen setzen können, so behalten sie zumindest die Hoheit über die hiesigen Kunden und verhindern, dass ihnen ein billigerer ausländischer Konkurrent in die Quere kommt.

Sollte es keine größeren Einwände gegen die Pläne geben, werden sie im Dezember final vorgestellt und im Sommer 2017 umgesetzt.


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4 Kommentare zu EU Roaming mit Einschränkungen eine Mogelpackung

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  1. Ifm schrieb am 12.09.2016 um 18:05

    Ich kann die Aufregung darum nicht verstehen. Man sollte doch mal darauf schauen, worum es bei dieser Regelung eigentlich geht. Ziel war es, dass man in Fremdnetzen innerhalb der EU genauso günstig ist, wie im Heimatnetz.

    Bei einer 90-Tage-Regelung wäre das bei den meisten Privatreisenden erfüllt. Ich finde das müsste noch ergänzt werden. Wenn man im Bereich des Heimatnetzes einen Wohnsitz hat, darf es nicht beschnitten sein.

    Alles andere ist ein anderes Thema.

    • Carmen Hornbogen schrieb am 13.09.2016 um 07:44

      Im Artikel findet sich bereits dieser Satz:

      “Natürlich ergeben sich für die meisten Kunden Vorteile, immerhin können sie ihren Tarif ab Sommer 2017 auch im Ausland nutzen, ohne Aufschläge, Gebühren oder dergleichen entrichten zu müssen. 90 Tage dürften zudem den Jahresurlaub der meisten Nutzer locker abdecken.”

      Wir teilen die Meinung, dass die 90-Tage-Regel den meisten Kunden genügen wird. Allerdings entspricht sich nicht dem, was ursprünglich versprochen wurde und lässt bzw. ließ zu viele Fragen offen. Mittlerweile gab es zudem bereits eine wichtige Entwicklung: https://www.mobilfunk-talk.de/news/231846-eu-zieht-90-tage-regel-beim-roaming-zurueck/

  2. A. Marconi schrieb am 06.09.2016 um 21:30

    Wie wäre es, wenn allgemin diese EU-Regulierungen wegfallen würden und alle Betreiber im EU-Gebiet die gleiche Menge vom Kuchen abbekommen würden?

    Zudem sollten alle Alarmglocken läuten, wenn im EU-Ausland so gut wie alle Tarife um einiges attraktiver sind, als in Deutschland.

    Wie wäre es, wenn die DEUTSCHEN Betreiber langsam mal vom Ihrem Höhenflug runterkommen würden und auch uns endlich 30GB Traffic im Monat für 14,99 Euro anbieten könnten?

    Dies bietet nicht mal eben ein Drittanbieter an, sondern ein Hauptnetz in Italien an…

    In la France geht es auch, in Schweden auch und nebenan die Belgier und Niederländer, da geht es auch. Warum muss Deutschland immer und in allem hinterherhängen?

    • Chris de Seif schrieb am 16.09.2016 um 10:51

      Dass die Tarife in Deutschland bei gleicher / ähnlicher Leistung oft teurer sind als in anderen Ländern kann einen einfachen Grund haben.
      In vielen Ländern trägt der Staat die Kosten für den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur. In Deutschland ein die Netzanbieter dafür verantwortlich. So ist es verständlich, dass die Tarife teurer sind um die Kosten wieder rein zu holen.

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