Montag, den 13.08.18 14:39

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o2: Teure Frequenzauktion nicht die Lösung für bessere Netzabdeckung

Markus Haas o2o2 kritisiert Frequenzauktion – Telefónica Deutschland Chef Markus Haas sieht in den hierzulande typischen Frequenzauktionen eine der Ursachen für die lückenhafte Netzabdeckung. Er fordert ein Umdenken und die Orientierung an anderen europäischen Ländern, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

Frequenzauktionen als Problem

Obwohl die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica eigenen Aussagen nach massiv in den Netzausbau investieren, lässt die Abdeckung vielerorts noch zu wünschen übrig. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hinterher und weist noch einige weiße Flecken auf, bei denen Mobilfunk gar nicht oder nur rudimentär genutzt werden kann. Telefónica Deutschland Chef Markus Haas hat mit dem Handelsblatt gesprochen und dabei unter anderem seine Sicht der Dinge der dargelegt.

Einen Zusammenhang mit der ungenügend Ausbausituation sieht der Manager in der Zahl der MVNOs, die in Deutschland im europäischen Vergleich am höchsten ist. Das sind Anbieter ohne eigene Infrastruktur, die die drei Netze mitbenutzen, etwa 1&1. Auch das „deutsche Modell“ der Frequenzauktion, bei der die Frequenzen für einige Jahre an den Höchstbietenden versteigert werden, hält Markus Haas für eine der Ursachen.

Umdenken in Deutschland

„Der bisherige Weg in Deutschland war falsch. Die Frequenzvergabe war teuer, und trotzdem gab es gleichzeitig eine Dienstanbieterverpflichtung [Die Öffnung des Netzes für andere Anbieter, Anm.d.Red.]. Die Wähler und Bürger dieses Landes verstehen nicht, warum sie in Frankreich oder Italien im letzten Winkel Netzversorgung haben und in Deutschland nicht. Oder warum es im TGV gutes Netz gibt, im ICE aber nicht“, erklärt der Manager. Dabei liegt es seinen Angaben nach nicht an mangelnden Geldmitteln. Diese würde jedoch an der falschen Stelle notwendig werden: „Die Anbieter haben in den letzten 20 Jahren 60 Milliarden Euro für Frequenzen ausgegeben. Das waren „Prepaid“-Auktionen: Mit Hammerschlag mussten wir das Geld überweisen. Wir hätten damit in Deutschland überall Glasfaser verlegen können, aber wir können den Euro nur einmal ausgeben.“

Statt einer teuren Frequenzauktion sollte sich Deutschland eher an Spanien und Frankreich orientieren. Dort wurden die Frequenzen kostengünstig vergeben und an Ausbauverpflichtungen gekoppelt – beide Länder haben bestens ausgebaute Netze. „In Spanien sind die Frequenzen nicht teuer vergeben worden. Spanien hat heute das beste Glasfasernetz Europas“, so der Manager.

Viertes Netz ist nicht die Lösung

Auch ein viertes Netz in Deutschland sieht Markus Haas nicht als Lösung für die derzeitigen Probleme an. Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG, zu der auch 1&1 gehört, hatte sich bereits für ein viertes Netz inklusive National Roaming ausgesprochen. Markus Haas ist sich jedoch sicher: „Wenn jemand glaubt, er löse die Infrastrukturprobleme in Deutschland mit einem vierten Netz, der ist aus meiner Sicht auf dem Holzweg. Wie bereits erwähnt hat Deutschland in Europa mit die schwächsten Netze und die meisten MVNOs. Die Länder mit den besten Infrastrukturen konzentrieren sich dagegen auf drei Netze.“

Zum Kern den Problems befragt, meint Haas: „In keinem anderen großen Land in Europa werden wie in Deutschland nichtmarktbeherrschende Unternehmen gezwungen, ihr Netz zu regulierten Konditionen bereitzustellen. Das gibt es weder in Spanien noch in Italien oder England. Mit Blick darauf, dass Deutschland eine so schlechte Infrastruktur hat, muss sich die Bundesnetzagenturfragen, ob sie die Spielregeln nachträglich weiter verschärfen und die Netzbetreiber noch mehr schwächen will. Denn das hemmt künftige Investitionen und entwertet die bisherigen Investitionen aller Anbieter. Allein Telefónica hat 30 Milliarden Euro in Deutschland in den letzten zwölf Jahren investiert.“

Für Telefónica bedeute das: „Wir brauchen akzeptable Zahlungsbedingungen, keine Dienstanbieterverpflichtung oder National Roaming und keine regionalen Frequenzen. Dann sind wir auch bereit, noch mehr in die Fläche zu investieren. Und dann sind wir auch bereit, sehr zügig zu investieren.“

E-Plus Integration wurde unterschätzt

Das Handelsblatt befragte den Manager auch zum Thema E-Plus und der noch immer laufenden Netzintegration. Obwohl Telefónica kurz nach der Übernahme des ehemaligen Netzbetreibers 2014 optimistisch war, gab es in den letzten Jahren immer wieder Probleme. Offenbar hatte Telefónica den Aufwand der Zusammenführung unterschätzt. Markus Haas: „Dass es viel Arbeit werden würde, war uns klar. Die Komplexität, ein solches Vorhaben in Deutschland mit allen Genehmigungen umzusetzen, haben wir etwas unterschätzt. Das stimmt. Aber wir sind weiter voll im Plan.“ Bis Ende des Jahres will das Unternehmen die Zusammenführung final abschließen.


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