Simsen.de entlässt Kunden aus der Abo-Falle
Sie rudern zurück: Simsen.de entlässt Kunden aus der Abo-Falle
Von "Rückhol-Aktion" und "Transparenz-Offensive" - Verimount gibt nach
Verhandlungs-Erfolg in Sachen vermeintliche Gratis-SMS: Alte Abonnements nichtig! "Kunden" müssen nicht zahlen. Offizielle Entschuldigung von simsen.de-Macher Valentin F. für entstandene Unannehmlichkeiten.
simsen.de: Rückblende ins SMS-Dorado
Gut anderthalb Monate hatte der Wiener SMS-Dienst-Anbieter Verimount das Internet in Atem gehalten. Auf seiner Internetseite simsen.de warb der Dienst mit bis zu 100 Gratis-SMS. Taussende trugen sich ein, um die virtuellen Kurznachrichten kostenfrei zu verschicken. Was viele nicht bemerkten: Mit der Eintragung schlossen sie zugleich ein kostenpflichtiges Jahres-Abo ab.
Denn der Teufel lauerte einmal mehr im gut positionierten Kleingedruckten. Wer die Startseite nicht bis zum Ende herunterscrollte, freute sich über ein großartiges Gratis-Angebot. Und machte ein langes Gesicht, als die Abo-Rechnung über 84 Euro kam und in Mahnungen auch noch mit Inkasso gedroht wurde.
Alarm in den Medien: Hunderte ächzen unterm Abo-Joch
Die Empfänger solcher Rechnungen gingen Anfang des Jahres in die Hunderte. Unverständnis und Wut waren groß. Man fühlte sich übervorteilt und hereingelegt - und machte sich in einschlägigen Foren Luft. Allein in dieser Redaktion meldeten sich rund 250 Betroffene. Verbraucherzentralen und diverse Medien berichteten über den Fall.
netzwelt: Offizieller Aufruf an Valentin F.
Letztendlich auch die netzwelt: In einem Ratgeber wies Anwalt Stefan Pauly Wege aus dem "Abo wider Willen". Und in einem Artikel rief die Redaktion simsen.de-Macher Valentin F. öffentlich auf, unfreiwillige Kunden aus dem Abo zu entlassen. - Denn, wenn der Abo-Dienst, wie von dem jungen Wiener postuliert, kein schlechter sei, habe man doch derlei Methoden alles andere als nötig...
Gespräche hinter den Kulissen: "Wir wollen uns ändern!"
Der Aufruf blieb nicht ungehört. Hinter den Kulissen hatte Verimount inzwischen den Kontakt zur Redaktion gesucht und gefunden. In den Gesprächen war man sich in der Tat einig: Wer den Dienst simsen.de tatsächlich will, findet darin - nach ersten Einschätzungen - definitiv kein schlechtes Produkt. Doch ist jeder "Kunde wider Willen" für die Wiener Meilenstein zum medialen Untergang, Wegbereiter auf dem Dornenweg zum völlig riunierten Online-Ruf. - Erste Änderungen der simsen.de-Startseite waren die Folge.
Valentin F. says sorry - und öffnet die Abo-Schlinge
Dass Einsehen und Wandlung nicht nur vorgespielt waren, um sich ein wenig Luft zu verschaffen, sollte Verimount mit handfesten Taten belegen. Der erste wirkliche Schritt in diese Richtung scheint heute Abend gemacht: In einer offiziellen Erklärung an netzwelt entlässt simsen.de-Macher Valentin F. mit sofortiger Wirkung den Großteil seiner unfreiwilligen Kunden aus der Abo-Falle - und entschuldigt sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Diese Erklärung drucken wir hier ab:
Offizielle Stellungnahme der Verimount FZE LLC
Als Betreiber von simsen.de ist es uns mit Sorge aufgefallen, dass die Anmeldemaske in der Vergangenheit teilweise zu wenig Transparenz aufwies, wir dachten, sie sei transparent genug. Vergangene Woche haben wir die Transparenz erhöht. Nicht ohne Stolz bemerken wir positive Kundenreaktionen, denn durch die verstärkte Transparenz entstehen mittlerweile keine Missverständnisse mehr.
Dennoch sehen wir noch mehr Handlungsbedarf. Deswegen wurde mittels netzwelt@simsen.de ein Mailaccount eröffnet. Diese E-Mailadresse ist das Herzstück unserer "Rückholaktion". Sie bezieht sich auf Kunden, die sich bei simsen.de vor dem 1.2.2006 - also vor der Verimount "Transparenz Offensive" - angemeldet und die damaligen Teilnahmebedingungen überlesen haben. Die Kunden werden mit Kulanz behandelt, ihr Account wird gelöscht und alle etwaigen Mahnungen oder Rechnungen sind als nichtig zu beachten. Es werden diesen Kunden keine Kosten entstehen
Verimount möchte sich an dieser Stelle auch für Unannehmlichkeiten gegenüber diesen "Kunden" entschuldigen. Simsen.de würde sich als Marktführer freuen, wenn der Mitbewerb diesen Beispiel folgen und mehr Transparenz gegenüber den Kunden zeigen würde. Es ist unbestritten, dass simsen.de eine neue Internet-Branche geschaffen hat, die langfristig Erfolge, gemeinsam mit den Kunden, feiern kann.
Hierzu ist aber Transparenz nötig, die wir in Zukunft fordern, auch von unseren Mitbewerb, von dem wir uns derzeit ausdrücklich distanzieren. Abschließend wollen wir uns bei unseren Kunden und bei unseren Gewinnspielteilnehmern herzlich bedanken. Insbesondere jenen Kunden, die unseren Service äußerst positiv annehmen und uns mit konstruktiver Kritik unterstützen, sind wir zu Dank verpflichtet. Wir laden natürlich alle Kunden, sowie alle Außenstehende dazu ein, unseren Service weiter zu verbessern.
Valentin Fritzmann, Zweigstellenleiter Verimount
netzwelt-Klartext: Was heißt das für die Kunden...
- Ganz einfach: Jeder, der sich vor dem 01.02.2006 bei simsen.de eingetragen hat und sich des Abo-Abschlusses nicht bewusst war, wird ausgetragen. Die an ihn gestellten Rechnungen werden nichtig. Zahlen muss er rein gar nichts. Hierfür soll er lediglich, laut Verimount, eine E-Mail an netzwelt@simsen.de versenden, in der er seine "SMS-Nummer" sowie seine in der Anmeldung gemachten Daten eingibt. Die Firma trägt ihn dann umgehend aus dem System aus. Weitere, anders lautende Schreiben in Form eventueller Irrläufer wären nicht zu beachten.
Die netzwelt-Meinung: Fast zu schön, um wahr zu sein... simsen.de war Gallionsfigur einer neuen Gratis-SMS-Welle im Internet. Ähnlich aufgemachte Dienste mit "aboneskem" Kuckucksei schossen jüngst wie Pilze aus dem Boden. Und fast alle umwob der Dunst der "schnellen Mark" - auf Kosten des unvorsichtigen Verbrauchers. Startseiten-Tuning, Entschuldigungen, Abo-Befreiung: Mit simsen.de scheint der Vorreiter jetzt kehrt zu machen. netzwelt sieht dieser Veränderung mit Freude entgegen - und auch mit Spannung, denn wir hoffen sehr, dass wir diesmal auf Valentin Fs. Wort zählen können...
Quelle: Netzwelt.de