Dienstag, den 01.12.09 12:47

Nokia: Verkauf und Umstrukturierung im Gespräch

aus der Kategorie: Handyhersteller, Nokia, TopNews

Der weltweit größte Hersteller von Mobiltelefonen steckt in der Krise. Nachdem der Konzern wiederholt rote Zahlen schrieb und Kosteneinsparungen vornehmen musste, steht Nokia nun vor einer Welle der Kritik. Scheinbar planen die Finnen nun sogar ihre Handysparte ganz zu verkaufen und sich auf Internetlösungen zu spezialisieren.

Ist Symbian überholt?

Hauptkritikpunkt an der Nokia-Führung ist die Festhaltung am Betriebssystem Symbian. Viele Experten sehen es als veraltet und es könne mit moderner webOS, Android oder Windows Phones-Software nicht mithalten, ganz zu schweigen vom Konkurrent iPhone. Doch die Entwickler bei Nokia sehen in der Touch-Variante, S60 Symbian System 5th. Edition Zukunftspotential, daher sind Geräte mit fremder Software, wie etwa das N900 mit Linux eine Seltenheit.

Im Interview mit der Wirtschaftswoche verriet der Nokia-Vorstand Anssi Vanjoki: “Wir müssen die Chance nutzen, Nokia völlig neu aufzustellen. Aus dem Hersteller von Mobiltelefonen wird ein Anbieter von Internet-Lösungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Nokia gestärkt aus dieser Transformation hervorgeht“. Er räumte zudem ein, dass Nokia manch anderen Herstellern bei der Innovation in einiges nachsteht. “Im Prinzip war uns auch vor zwei Jahren schon klar, dass der Umbau keinen Aufschub duldet. Doch erst die Wirtschaftskrise hat uns die Dringlichkeit vor Augen geführt. Heute arbeitet wirklich jeder bei Nokia an dieser Neuausrichtung, damit Nokia auch im Geschäft mit mobilen Lösungen und Applikationen ein starker Spieler wird.”

nokia logoUnternehmenskurs undeutlich

Doch wohin genau diese Neuausrichtung des Unternehmens führen soll ist nicht ganz klar. Der erste Schritt wird sein, dass Nokia sich einer Entschlackungskur unterzieht. Ab 2010 wird Nokia nur noch mir großen Vertrieben zusammenarbeiten. Das bisherige Internet-Angebot des Ovi-Stores soll verbessert werden, damit bis 2012 300 Millionen Kunden die Angebote nutzen.

Mit 500 Millionen Handys pro Jahr hat Nokia immernoch die Oberhand im Mobilfunkgeschäft, die Frage ist nur wie lange dies noch der Fall sein wird. Viele Firmen sollen schon Angebote für die Handysparte abgegeben haben. So berichtet die chinesische Zeitung “Economic Daily News”, dass der weltgrößte Hersteller von Elektronik- und Computer-Komponenten, Foxconn Electronics als Käufer in Frage käme.

Vor etwa 100 Jahren machte Nokia noch mit Gummistiefelproduktion seinen Umsatz. Inzwischen ist man von der wasserfesten Schuhen auf Elektronik umgestiegen, doch es ist sehr fraglich, ob ein solcher Branchenwechsel wieder von Erfolg gekrönt sein wird.


Björn Mohr

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