Dienstag, den 20.01.15 10:18

aus der Kategorie: Mobilfunk, TopNews, Vodafone

Nidononline-Abo zockt tausende Vodafone-Kunden ab

© Creativa - Fotolia.comTausende Vodafone-Kunden sind derzeit von einer Abo-Abzocke des Mehrwehrdienstleisters Nidononline betroffen. Offenbar ermöglicht eine Sicherheitslücke im Vodafone Billing-Prozess die unberechtigte Einforderung eines Abo-Zugangs von 6,99 Euro pro Woche. Vodafone prüft den Vorfall bereits und hat gegenüber Mobilfunk-Talk eine erste Stellungnahme abgegeben. [Update] Nach Vodafone wurde auch von Mobilcom-Debitel eine Stellungnahme abgegeben.

Nidononline-Abo durch Klick

Am 7. Januar hat sich ein Nutzer in unserem Forum zum Nidononline-Abo gemeldet. Laut dem Betroffenen wurde ihm beim Surfen auf dem Smartphone eine schwarze Seite mit Altersabfrage „Sind Sie schon 18“ angezeigt. Nach dem Klick auf „Nein“ erhielt er binnen Sekunden eine Bestätigungs-SMS von der Kurzwahl 6729 mit folgendem Inhalt:

Vodafone: Ihre Bezahlung von 6,99 EUR für ihr Abo bei Nidononline ist erfolgt. Im Internet unter vodafone.de/abos finden Sie ihre Abos auf einen Blick“

In wenigen Tagen haben sich mehr als ein Dutzend Betroffene in unserem Forum gemeldet, die auf gleichen Weg ebenfalls ein Abo abgeschlossen haben. Dabei spielte es nach ersten Erkenntnissen keine Rolle, ob der Nutzer auf „NEIN“, „JA“ oder Schließen (X) klickte. Die Hit-Zahl (>4.000) des jungen Themas lässt auf mehrere Tausend Betroffene schließen, die Dunkelziffer könnte aber noch weitaus höher liegen. Nach einer Recherche von Mobilfunk-Talk hatten die Betroffenen Webseiten aus den Themenbereich Erotik (Hintergrundbilder, Pornos) mit verschiedenen Smartphone-Modellen (Apple, Samsung, HTC) geöffnet. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dem schwarzen Bildschirm um ein Banner handelte, welches vor allem in zwielichtigen Themengebieten geschaltet wurde.

SMS mit Nidononline-Abo

SMS mit Nidononline-Abo

Abo ohne rechtliche Grundlage

In Deutschland wurden die Regelungen für den Abschluss eines Abos in den letzten Jahren deutlich verschärft. Erst wenn ein Nutzer eine eindeutig erkennbare Schaltfläche mit den Wörtern “zahlungspflichtig bestellen” oder ähnlichen eindeutigen Formulierungen auswählt, kommt überhaupt ein Abo zustande. Im aktuellen Betrugsfall handelt es sich um schwere Wirtschaftskriminalität, es gibt keinerlei entsprechenden Button, Hinweise auf ein zu bestellendes Produkt fehlen gänzlich.

Hinter dem Abo Nidononline verbirgt sich die rumänische Firma Nidononline (Nidononline SRL), Piata Montreal Nr. 10 Cladirea WTC, Intrarea F, Etaj 1, Sector 1, 011469 in Bucuresti (RO). Der offizielle Support wird unter der Telefonnummer 0800 0000 890 und der E-Mail Adresse mobilesupport@nidononline.com betrieben und Forderungen des Unternehmens werden vom Mobile Payments Service Center (www.mobile-info.cc) eingetrieben.

Vodafone Stellungnahme zur Abzocke

Aufgrund der zahlreichen Beschwerden nahm unsere Reaktion am Donnerstagabend Kontakt mit der Vodafone Pressestelle auf und erhielt einen telefonischen Rückruf der internen Vodafone Sicherheitsabteilung. Um die Betrüger und deren Methode zweifelsfrei zu identifizieren schickten wir auf Nachfrage weitere Daten der Betroffenen. Am Donnerstag erhielten wir von Vodafone Pressesprecher Volker Petendorf folgende Stellungnahme:

mTan-Betrug

© WoGi – Fotolia.com

Nach ersten Erkenntnissen sind hier mit großer Wahrscheinlichkeit Betrüger am Werk, die versuchen, einzelnen Vodafone-Kunden ungewünschte Handy-Abos unterzuschieben. Vodafone legt großen Wert darauf, Kunden vor betrügerischen Abofallen zu schützen. Wir sorgen bei Bekanntwerden solcher Fälle grundsätzlich dafür, dass die Hintermänner derartiger Methoden aus aufgezwungenen Abos kein Geld von Kunden einziehen können. Auch in diesem Fall haben wir den Zahlungsfluss zu dem Anbieter, der hinter diesem aktuellen Abofallen-Versuch steckt, vorsorglich gestoppt.“

Laut Petendorf werden Vodafone-Kunden – trotz Bestätigungs-SMS – keine Kosten des Abos in Rechnung gestellt. Sollte dies dennoch der Fall sein, sollten sich diese sich an die Vodafone Kundenhotline wenden. Trotz der Zahlungssperre können aber weiterhin entsprechende SMS mit einer Zahlungsbestätigung beim Kunden eingehen. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, könne auch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass es erneut zu einer unberechtigten Abzocke durch unseriöse Anbieter kommt.

Nidonline-Abzocke trifft nur Vodafone-Netz

Des Weiteren rät Petendorf betroffenen Kunden, eine Strafanzeige gegen den unseriösen Anbieter zu stellen. Auch Vodafone selbst prüfte derzeit in diesem Fall eine Strafanzeige gegen den Anbieter. Um sich besser vor der Abzocke zu schützen, rät Petendorf außerdem den Kunden, eine Drittanbietersperre für sogenannte Mehrwertdienste einzurichten. Ist diese eingerichtet, können ab dem Zeitpunkt der Einrichtung keine Kosten von Drittanbietern mehr über die Handyrechnung eingezogen werden. Allerdings hat die Sperre auch Nachteile: So ist der Erwerb von kostenpflichtigen Apps im Google Play Store oder Apple App Store teilweise nicht mehr möglich. Auch der Abschluss von gewollten Abos (Sportticker, Klingeltöne, Spiele) ist nicht mehr möglich.

Leider erhielten wir von der Pressestelle nicht auf jede Frage eine Antwort. So wollte uns diese nicht den Grund nennen, wieso ausschließlich Mobilfunkkunden im Vodafone-Netz von der Nidononline-Abzocke betroffen sind. Handelt es sich etwa um eine interne Sicherheitslücke, die die Betrüger ausgenutzt haben und nun sollen Kunden dafür aufkommen? In Jedem Fall sollten sich Kunden nicht von Vodafone-Hotline abwimmeln lassen, solange die Mitarbeiter ihnen nicht eine Gutschrift für die Erstberechnung von 6,99 Euro gewähren. Es handelt sich hier um klaren Betrug und Vodafone kann nicht der „Handlanger“ für die Abzocke sein.

Probleme bereitet die Abzocke auch Vodafone-Kunden bei Providern (mobilcom-debitel und 1&1). Laut der Aussage eines mobilcom-debitel Kunden fühlt sich der Provider – obwohl Vertragspartner – nicht für die Abos von Nidononline zuständig und verweist auf den Netzbetreiber Vodafone. Vodafone selbst sieht die Zuständigkeit wiederum direkt beim Vertragspartner (in diesem Fall mobilcom-debitel bzw. 1&1). In jedem Fall sollten Kunden Forderungen von Nidononline bei der nächsten Mobilfunkrechnung widersprechen.

Der Mobilfunkkunde wird bei der aktuellen Abzocke unschuldig zum Spiellball der Mobilfunkanbieter. Für Mobilfunk-Talk ist dies Grund genug, die Bundesnetzagentur zu kontaktieren, um so Klarheit in Sachen Zuständigkeit zu sorgen. Der Provider mobilcom-debitel wurde ebenfalls zu einer Stellungnahme gebeten.

mobilcom-debitel äußert sich zur Abzocke

Unsere Redaktion hat die mobilcom-debitel Pressestelle mit der Abzcok-Problematik und der abweisenden Kundenverantwortung konfrontiert. In einer Stellungnahme heißt es: Die Verantwortung möchten wir nicht von uns weisen, zumindest übernehmen wir die Abrechnung solcher Dienste, können hier aber bestätigen, dass keinerlei darüber hinaus gehende Geschäftsbeziehung besteht. Unsere Hotline-Mitarbeiter geben bei derartigen Anfragen die Auskunft, dass sich unsere Kunden an die Anbieter direkt wenden sollten, da uns keine detaillierten Informationen zu den einzelnen Diensten vorliegen. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes unmittelbares Vertragsverhältnis.“

Auf die Frage, ob mobilcom-debitel Kunden das Abo in Rechnung gestellt wird, erhielten wir folgende Antwort: „Nach einer detaillierten Recherche haben wir erfahren, dass die Möglichkeit besteht, dass diese Dienste über uns abgerechnet werden können. Bis jetzt sind uns aber dazu keine Umsätze bekannt. Wir haben diese Dienste sofort sperren lassen. Somit können wir bestätigen, dass ab dem heutigen Tag (Montag, der 19. Januar) die Dienste über den Anbieter „Nidononline“ nicht mehr über mobilcom-debitel berechnet werden. Wir haben zudem für unsere Kunden eine Sperre der Dienste bei dem Netzbetreiber Vodafone beantragt und sollte der Dienst schon berechnet worden sein, Gutschriften für unsere Kunden angefordert.“

Somit haben mobilcom-debitel Kunden nun auch Klarheit, dass sie bei einer Berechnung des Abos eine Gutschrift erhalten. In jedem Fall sollten Betroffenen die nächsten Mobilfunkrechnungen stärker als sonst überwachen.

Bildquelle: © Creativa – Fotolia.com


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2 Kommentare zu Nidononline-Abo zockt tausende Vodafone-Kunden ab

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  1. heribert ortlieb schrieb am 18.03.2015 um 16:26

    Hallo,

    mittlerweile passsiert das auch bei T-mobile. Nur interessiert es den Anbieter relativ wenig, wie ein Anruf nei der Kindenhotline gezeigt hat.

  2. Weiler Michael schrieb am 07.02.2015 um 17:54

    Die Stellungnahme von Mobilcom entspricht nicht der Realität.
    Am 21.01.15 wurde bei mir ebenfalls 6,99 abgebucht und nach Rücksprache mir der Hotline von Mobilcom am 30.01.15 (Da habe ich leider erst die Rechnung sichten können)wurde mir zu Verstehen gegeben, das man da nichts machen kann und ich mich an den Betreiber wenden soll. Ein entsprechendes Schreiben an Mobilcom wurde ebenfalls abschlägig beantwortet.
    Soviel zur Stellungsnahme der Mobilcom

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