Freitag, den 19.10.12 11:00

aus der Kategorie: Mobilfunk, Telefon & Festnetz, TopNews

VATM: Telekommunikationsmarkt bleibt 2012 stabil

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM und Dialog Consult stellen in einer Studie die Entwicklung des Telekommunikationsmarktes im Jahr 2012 vor. Zwar blieb das Gesamtumsatz im Gegensatz zum Vorjahr nahezu stabil, auffallend ist jedoch, das ein Großteil der Investitionen und Umsätze mittlerweile von den Mitbewerbern und nicht mehr von den Platzhirschen wie der Telekom getätigt werden. Zudem steigt die Nutzung mobiler Datenverbindungen stark an, auch in der mobilen Telefonie werden derzeit so viele Simkarten genutzt wie noch nie.

Gesamtumsätze von 60,1 Milliarden Euro

Im Jahr 2012 bleibt der Gesamtumsatz der Telekommunikationsbranche nahezu stabil. Insgesamt werden 60,1 Milliarden Euro umgesetzt, der Löwenanteil von 30,9 Milliarden Euro entfällt nach wie vor auf die DSL- und Festnetzbranche. Der Mobilfunkmarkt setzt 24,8 Milliarden Euro um, die Kabelnetzbetreiber 4,4 Milliarden Euro. Letztere konnten den Gesamtumsatz im Gegensatz zum Vorjahr um 15,8 % steigern, der Umsatz der Festnetzbranche ist mit – 2,8 % hingegen leicht rückläufig, der Mobilfunksektor kann mit 0,8 % einen leichten Anstieg verzeichnen. In Summe gleicht das Plus der Kabelnetzbetreiber die Stagnation der anderen Bereiche nahezu aus.

Die Gesamtsumme der Telekommunikations-Sachanlagen liegt auch im Jahr 2012 bei etwa 6 Milliarden Euro. Mit 3,1 Milliarden tragen die Wettbewerber 52 % der Gesamtinvestitionen. Die Fremdanbieter haben seit der Marktliberalisierung im Jahr 1998 insgesamt 54,7 Milliarden Euro in die Anlagen investiert.

115,1 Millionen Simkarten

Am Ende des Jahres wird es innerhalb Deutschlands 115,1 Millionen aktive Simkarten geben, schätzen VATM und Dialog Consult anhand der Wachstumsrate der letzten Monate. Im Gegensatz zum Vorjahr ein Plus von 1 Million Simkarten und damit eine Marktdurchdrinung von 140 %. Vor allem die beiden E-Netz-Betreiber E-Plus und Telefónica o2 konnten einen Zuwachs von 1,2 % und 0,6 % verzeichnen. Mit 13 % Marktanteil liegt E-Plus damit auf dem vierten Platz, Telefónica o2 folgt mit 14,8 % auf Platz 3. Mit 29 % der Marktanteile liegt die Telekom knapp vor Vodafone auf dem ersten Platz. Der Düsseldorfer Netzbetreiber Vodafone muss sich mit 28,1 % knapp mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

Mobile Datennutzung steigt rasant

Im Gegensatz zum Vorjahr konnte der mobile Non-Voice-Bereich eine Steigerung von 2,7 auf 37,3 % verzeichnen. Mit 67,7 % fallen mehr als zwei Drittel davon auf die Nutzung des mobilen Internets. Hauptgrund für das starke Wachstum ist vor allem der Smartphone-Boom und die steigende Anzahl der Nutzer. Dadurch steigt auch das Volumen der mobilen Datenübertragungen um rund ein Drittel auf 130,7 Millionen Gigabyte – die wachsendeLTE-Nutzung nicht mit eingerechnet. In den letzten zwei Jahren hat sich das Datenvolumen nahezu verdoppelt. Jeder Nutzer verbraucht durchschnittlich 196 MB pro Jahr.

Trotz der Verbreitung des mobilen Internets und damit vielfältiger Messenger-Dienste wie Whatsapp, ICQ und ähnlichen steigt der Gesamtumsatz an geschrieben SMS nochmals um 6,4 % auf insgesamt 157,2 Millionen pro Tag. Rückläufig ist jedoch die Nutzung von MMS. Von den Media-Nachrichten werden täglich nur noch 360.000 Stück verschickt, 70.000 weniger als im Vorjahr.

Festnetz- und DSL-Bereich wird von Wettbewerbern bestimmt

Trotz Kundenabwanderung beträgt der Anteil der herkömmlichen stationären Telekom-Anschlüsse 59,2 %. Noch immer sind 22,3 Millionen Anschlüsse bei der Telekom registriert. Drei Viertel der abgewanderten Kunden, 11,2 Millionen, nutzen einen Telefonanschluss eines Wettbewerbers, ein Viertel bei einem der Kabelnetzbetreiber.

Die Anzahl der Breitbandanschlüsse wächst nur geringfügig um 2,9 % auf 28,1 Millionen. 45 % aller Breitbandkunden nutzen einen Anschluss der Telekom.Mit je 11,9 % teilen sich den zweiten Platz die Wettbewerber Vodafone und United Internet (1&1). Telefonica folgt auf Platz 3 mit 9 %.

Mit 43,7 Prozent setzt die Telekom nach wie vor genauso viel um, wie alle Mitbewerber mit 43,9 % zusammen. Der Grund liegt vor allem daran, dass die Wettbewerber durch die Leitungshoheit der letzten Meile stark von der Telekom abhängig sind. Die aus Monopolzeiten übrig gebliebenen Anschlussnetze kosten die Mitbewerber bis zu 65 Cent pro Euro Umsatz. ATM-Präsident Gerd Eickers:  „Durch die monatliche Miete für die Teilnehmeranschlussleitung – TAL –, die die Wettbewerber an den Ex-Monopolisten in Höhe von 10,08 Euro zahlen müssen, tragen wir trotz aller sachlichen Gegenargumente hinsichtlich der Höhe des Entgeltes weiterhin erheblich zum Umsatz der Telekom in diesem Bereich bei.“ Das hohe Wachstum der Kabelnetzbetreiber erklärt sich vor allem deswegen, da hier keinerlei Vorlesitung getragen werden muss und die Netzrealisierung meist in bereits gut ausgebauten Gebieten stattfindet.

LTE auf dem Vormarsch

Der Datenturbo LTE, der vor allem wenig ausgebaute Gebiete mit schnellem Internet versorgen soll, kommt auch in diesem Jahr einen großen Schritt voran. VATM-Präsident Gerd Eicker: „Beim LTE-Ausbau für den schnellen Anschluss via Mobilfunk sind in diesem Jahr große Fortschritte erzielt worden. In Kürze werden in allen Bundesländern die Versorgungsauflagen erfüllt und damit die ländlichen, bisher unversorgten Regionen bereits erschlossen sein. Vodafone, Telefónica und Telekom können dann – zumindest in dieser Hinsicht – frei ausbauen. Wir erwarten hier durch die Bundesnetzagentur eine Verbesserung der Genehmigungsdauer von Richtfunkstrecken, die für LTE benötigt werden. Das Datenvolumen, das über die Zukunftstechnologie LTE abgewickelt werden wird, wird rasant steigen.“

Auch 2013 wenig Veränderung

Für das Jahr 2013 ist mit einem geringen Rückgang der Gesamtumsätze um 1 bis 2 % zu rechnen. Grund dafür werden vor allem die sinkenden Mobilfunkterminierungsentgelte und der starken Preiswettbewerb sein. Der Non-Voice-Sektor im Mobilfunkbereich, hauptsächlich die mobile Datennutzung, wird jedoch um weit mehr als 40 % steigen.

Kritisch sehen die Experten die Pläne der Telekom zum Streitthema Vectoring (wir berichteten). „Grundsätzlich ist der Einsatz von Vectoring zu begrüßen, wenn es um die Verbesserung der Breitbandversorgung geht. Jedoch kann es nicht sein, dass die Telekom dann den Wettbewerbern den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung am Kabelverzweiger nicht mehr anbieten will. Das würde nicht nur den dort getätigten Milliardeninvest der Wettbewerber entwerten, sondern würde auch zur Remonopolisierung führen“ befürchtet VATM-Präsident Gerd Eicker „Kein Vectoring ohne Open Access.“

Die gesamte Studie kann auf der VATM-Homepage eingesehen werden: Link zur Studie

Eine grafisch aufbereitete Downloadversion steht ebenfalls zur Verfügung: Link zur Downaloadversion


Werde jetzt Mobilfunk-Talk Online-Redakteur

Jetzt kommentieren (0)

Zur Diskussion im Forum:

Tipp: Nur für kurze Zeit - Callya Freikarte oder o2 Freikarte oder BASE SIM-Karte oder Telekom Freikarte kostenlos bestellen!

Kommentare zu VATM: Telekommunikationsmarkt bleibt 2012 stabil

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Profilbilder bei Gravatar
Startseite | Datenschutz | Impressum