Mittwoch, den 18.02.15 13:40

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o2 TV-Spot: LTE für alle Kunden irreführende Werbung?

Telefonica LTE o2 4GEnde Januar hatte o2 erstmals per Pressemitteilung bekannt gegeben, LTE für alle Vertragskunden kostenlos zu aktivieren. Seit Anfang Februar schaltet der Münchner Netzbetreiber dazu auch einen TV-Spot, der eine LTE-Freischaltung für ALLE Kunden vermittelt, obwohl ein nicht irrelevanter Kundenkreis von der neuen Funktechnik ausgeschlossen wird. Handelt es sich bei dem TV-Spot gar um irreführende Werbung?

o2-LTE für alle Kunden – angeblich

Ende Januar gab der Münchner Netzbetreiber o2 bekannt, den Zugang zum schnellen LTE-Netz nach und nach auch für Bestandskunden freizuschalten. Während die Pressemitteilung den Eindruck vermittelte, dass alle Bestandskunden von den neuen Geschwindigkeiten profitieren, schließt das Unternehmen de Facto zahlreiche Nutzer alter Tarife aus.

So profitieren neueren Informationen zufolge lediglich Kunden mit den älteren Blue-Tarifen von der Freischaltung des LTE-Netzes. o2 führte die Blue-Tarifwelt im Oktober 2010 anlässlich des Starts des Apple iPhone 4 ein und ersetzte mit ihr die bislang gültigen Genion-Tarife. Bestandskunden, die noch immer einen Tarif der Genion-Welt nutzen sind von der LTE-Aktion ausgeschlossen und erhalten keine kostenfreie Aufschaltung des 4G-Netzes. Betroffen sind vor allem die Tarife Genion S, Genion M, Genion L und Genion XL in der Simonly-Variante und mit Handyoption.

Auch in seinem aktuellen Werbespot zur kostenfreien LTE-Freischaltung wirbt o2 trotz Einschränkungen mit dem Slogan „Deshalb haben wir alle unsere Kunden ab sofort für LTE freigeschaltet. Automatisch und ohne Zusatzkosten.“ Während der Sprecher aus dem Off diese Sätze spricht, blendet o2 am unteren Seitenrand einen kleinen Hinweistext ein, der selbst beim Betätigen der Pause-Funktion nur schwer zu lesen ist.

o2-Werbespot irreführend?

Der Text enthält den Hinweis: „Ab 3.2.2015 wird das LTE 4G-Netz von o2 für alle Kunden mit einem Mobilfunkprodukt von o2 (nicht Prepaid u. Tarife Genion S, M, L, XL mit oder ohne Handy) freigeschaltet, ohne dass hierdurch Kosten entstehen.“ Für Kunden, die sich nun auf die baldige Zuschaltung des LTE-Standards freuen und einen der Genion-Tarife nutzen, ist der Hinweis nicht zu erkennen und bleibt damit unbemerkt.

Es ist fraglich, ob die verwendete Art und Weise der „Relativierung“ rechtlich gültig ist. Ein ähnliches Vorgehen führte bereits im Juli 2013 zu einem Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht Köln. Im damaligen Fall warb ein Stromunternehmen in seinem TV-Spot mit einer einjährigen Preisgarantie und verwies lediglich mit einem einsekündigen mehrzeiligen Texthinweis am unteren Bildschirmrand auf die genauen Bedingungen der Aktion. Weiterführende Informationen waren auf der Homepage des Anbieters zu finden, die genauen Bedingungen konnten dort von Interessenten eingesehen werden.

Im folgenden Rechtsstreit forderte ein konkurrierendes Stromunternehmen die Unterlassung und wies auf den intransparenten Charakter der Werbebotschaft hin. Der Kunde gehe davon aus, dass er die Preisgarantie in jedem Fall erhalte, hieß es in der Begründung. Die einschränkenden Bedingungen, die die Garantie nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährten, kämen für ihn überraschend. Die genauen Bedingungen müssten deshalb schon innerhalb des Spots erwähnt und dürften nicht auf der Homepage „versteckt“ werden. Das beklagte Unternehmen wies diese Vorwürfe von sich und argumentierte mit den detaillierten Hinweisen auf der Homepage. Die Botschaft im TV-Spot sei so allgemein gehalten, dass keine Erwartungen geweckt werden, die im Anschluss möglicherweise überraschend enttäuscht werden könnten.

o2 LTE Telefonica Bestandskunden

Urteil zur Lesbarkeit bei TV-Spot

In seinem Urteil unter dem Aktenzeichen 6 U 5/13 entschied das Oberlandesgericht Köln für die Beklagte und wies die Unterlassungsforderung ab. Für das Gericht war ausschlaggebend, dass entsprechende Hinweise eingeblendet wurden und der Kunde dadurch Kenntnis erhielt, dass es einschränkende Bedingungen gab. Weiterführende Informationen auf der Internetseite sind laut Urteilsbegründung ausreichend, um die limitierte Vermittelbarkeit des Fernsehens auszugleichen.

Im Fall von o2 werden die Vorgaben des Oberlandesgerichts größtenteils erfüllt, rein rechtlich dürfte das Unternehmen auf den ersten Blick also auf der sicheren Seite sein. Bereits zu Beginn des Spots wird am oberen Bildschirmrand die Homepage o2.de eingeblendet, der Hinweistext zu den Einschränkungen erscheint bei Nennung des entscheidenden Satzes „LTE für alle“ und ist rund sechs Sekunden lang zu sehen. Am Ende des Spots wird zudem auf die Homepage des Unternehmens und auf die Mitarbeiter in den Filialen und Shops verwiesen, die weiterführende Informationen liefern und die genauen Bedingungen nennen können.

Problematisch könnte jedoch die Homepage werden, auf der o2 kein Wort über die kostenfreie Freischaltung des LTE-Standards für Bestandskunden verliert und keine weiterführenden Informationen bereitstellt. Selbst im persönlichen Login für Bestandskunden ist kein Hinweis zur Aktion zu finden, die genauen Bedingungen und damit die Einschränkungen für Genion-Kunden sind nicht einsehbar. Ob o2 so die Bedingungen für eine rechtlich einwandfreie TV-Werbung erfüllt, bleibt fraglich.


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3 Kommentare zu o2 TV-Spot: LTE für alle Kunden irreführende Werbung?

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  1. Ich kann mich Ringo nur anschließen, was bringt die tollste Werbung, wenn in manchen Gebieten wo LTE wirklich sehnsüchtig erwartet wird nicht geht. Aber so ist das halt mit der Werbung, den Slogan „LTE für alle“ finde ich aber trotzden gelungen:)

  2. Mal abgesehen vom Kleingedruckten, finde ich viel irreführender, dass O2 mangels aktiver LTE-Antennen kaum LTE-Netz anbieten kann!

    Was nützt, das „LTE für alle“ wenn O2 nur in den besonders einwohnerstarken Großstädten LTE zur Verfügung stellt?

    Ich denke da immer an einen Autoverkäufer, der seine Autos mitsamt „gratis tanken für alle anbietet“. Es gibt aber nur ein paar seiner Tankstellen, für die man dann nach München, Hamburg, Dresden oder Berlin fahren muss…

    • prepaid. schrieb am 20.02.2015 um 11:45

      Wir haben im Forum ja auch einen Thread zu dem Thema und da hatte ich genau das auch schon angesprochen. Wer z.b. in Berlin, Nürnberg oder den vielleicht insgesamt ein halbes Dutzend großen Ballungsgebieten in Deutschland wohnt, für den mag das eine tolle Sache sein. Für alle anderen ist das nur heiße Luft!

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