Montag, den 29.07.13 09:12

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Geplante Fusion: Das ändert sich für Mobilfunkkunden

Mit dem geplanten Zusammenschluss von o2 und E-Plus verschieben sich die Marktverhältnisse. Doch die Fusion zwischen der Nummer 3 und Nummer 4 des Mobilfunkmarkts wirft bei Kunden beider Anbieter viele Fragen auf. Noch sind wenige Fakten bekannt, dennoch möchte Mobilfunk-Talk in diesem Artikel einen Ausblick auf bevorstehende Änderungen (Netz, Preis, Vertrag, Service etc.) geben.

Weniger Anbieter schlecht für Wettbewerb

Generell ist die Reduzierung von vier auf drei Netzbetreibern in Deutschland schlecht für den Wettbewerb. Rabattschlachten und Preissenkungen, von denen Kunden derzeit stark profitieren, werden weniger. In der Vergangenheit hatte vor allem E-Plus den Preisdruck durch günstige Discounter verschärft. So hatte der Düsseldorfer Netzbetreiber beispielsweise mit simyo den Prepaid-Markt belebt und mit der Marke youfone einen Preisrutsch bei den Allnet-Flat-Tarifen ausgelöst.

Prüfung durch Wettbewerbshüter

Aus diesem Grund wird die EU-Kommission den geplanten Zusammenschluss beider Netzbetreiber sehr genau prüfen. Auch das Bundeskartellamt hat sich bereits kritisch zu den Übernahmeplänen geäußert. Es ist gut möglich, dass eine Übernahme von E-Plus nur unter bestimmten Auflagen genehmigt wird. Die Vergabe der GSM-Frequenzen müsste ebenfalls neu geregelt werden. Dadurch könnte sich vielleicht sogar ein neuer Anbieter auf den Markt wagen und ungenutzte Frequenzen erwerben. Bevor die Wettbewerbshüter überhaupt eingreifen, ist noch eine Zustimmung der Telefonica und KPN Aktionäre nötig.

o2-e-plusVerträge bleiben weiterhin gültig

Auch nach einem Zusammenschluss behalten die o2 und E-Plus Mobilfunkverträge ihre Gültigkeit. Bei einer Änderung der Konditionen (Verschlechterung) hätten Kunden ein Sonderkündigungsrecht, was mit Sicherheit zu einer Abwanderungswelle führen würde. Eine Verschlechterung ist daher nicht zu erwarten. Bei den vielen Prepaid-Discountern wie z.B. Aldi-Talk, Tchbio, simyo blau.de, Fonic dürfte sich auch nichts ändern. Einige der vielen Discountmarken könnten aber nach und nach vom Markt verschwinden. Nach der Übernahme des DSL-Anbieters Alice durch o2, verschwand der Markenname nach einer Übergangsfrist von drei Jahren.

Kostenlose Telefonate in zwei Netze?

Mittelfristig dürften durch den Zusammenschluss neue Mobilfunk-Angebote entstehen. So könnte o2 seinen Kunden zukünftig eine Sprachflat ins o2 und E-Plus Netz anbieten. Bei mehr als 43 Millionen Kunden wäre eine Flatrate in zwei Netze ein attraktives Verkaufsargument. Es ist zu erwarten, dass sich o2 in Zukunft eher als Premiumarke präsentiert und BASE als Billigmarke einsetzt. Unter der Marke E-Plus werden ohnehin schon seit Jahren keine eigenen Mobilfunkprodukte mehr vertrieben.

Zusammenschluss beider Netze

Die Wartung und der Betrieb der vielen Basisstationen verschlingt sehr viel Geld. Auf kurz oder lang ist daher auszugehen, dass einige Basisstationen geschlossen werden und beide Netze zu einem gemeinsamen Mobilfunknetz zusammengeschlossen werden. Nach Medienberichten wurden bereits Experten beauftragt, die sich um das sehr komplexe Verfahren kümmern. Durch eine unüberlegte Schließung  von Basisstationen könnte es sonst zu Netzausfällen oder niedrigeren Kapazitäten kommen. Aber auch bei der Zusammenlegung der beiden Mobilfunknetze ist mit kurzfristigen regionalen Netzausfällen zu rechnen.

e-plus-netzausbauMehr Geld für teuren Netzausbau

In Sachen Netzausbau liegen die Netzbetreiber o2 und E-Plus deutlich hinter der Telekom und Vodafone. Während E-Plus noch überhaupt keine LTE-Produkte vermarktet, ist LTE bei o2 bisher nur in wenigen Städten (Elf Highspeed-Areas) verfügbar. Durch den harten Preiskampf und die günstigen Konditionen verfügen die beiden Anbieter über deutlich weniger Kapital für den Netzausbau. So erwirtschafte die Telekom 2102 im Mobilfunksegment 7,22 Milliarden Euro und Vodafone setzte 6,98 Milliarden Euro um. Im selben Zeitraum kam E-Plus nur auf 3,23 Milliarden Euro und Telefonica Deutschland auf 3,67 Milliarden Euro. Zusammen könnten beide Unternehmen mit 6,9 Milliarden Euro den beiden Mitbewerbern deutlich mehr Paroli bieten.

Die niedrigen Gesamtumsätze spiegeln sich auch im durchschnittlichen Umsatz pro Kunde wieder. Im Schnitt lag der ARPU im letzten Geschäftsjahr bei E-Plus bei 11 Euro und bei Telefonica bei 13,80 Euro. Bei der Telekom und Vodafone lag der durchschnittliche Umsatz dagegen bei mehr als 16 Euro.

Einsparungen bei Kundenservice und Vertrieb

Ein Zusammenschluss beider Netze reduziert nicht nur die Kosten für die Netzinfrastruktur, sondern auch bei Kundenservice und Vertrieb. Bis zum Jahr 2019 sollen sich die Synergien auf gut 5 bis 5,5 Milliarden Euro  summieren. Möglich macht dies u.a. eine Zusammenlegung des Kundenservice, außerdem werden einige Shops vor Ort verschwinden. Für Mitarbeiter beider Marken  bedeutet dies einen Stellenabbau, aber auch für Kunden ist ein Zusammenschluss in puncto Servicequalität eher unvorteilhaft. Schon jetzt zeigen sich viele Kundenberater aufgrund der Tarifvielfalt überfordert, eine Fusion würde dies noch weiter verschärfen.

Fazit: Genaue Folgen für Kunden kaum absehbar

Für Bestandskunden von o2 und E-Plus ändert sich kurzfristig erst einmal nichts. Langfristig dürfte sich aber der Markenauftritt und die Vertriebsstruktur ändern. Die Zeiten von großen Preissenkungen der Marken E-Plus und o2 sind wohl auch gezählt. Dagegen könnten sich Telekom- und Vodafone-Kunden evtl. über sinkende Preise freuen. Denn mit Sicherheit wird die Telekom und Vodafone sich nicht dauerhaft mit dem zweiten bzw. dritten Rang zufrieden geben und den Wettbewerb weiter anheizen.


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