Mittwoch, den 15.07.15 14:15

aus der Kategorie: DSL & Internet

50 Mbit/s für alle: Umsetzung bis 2018 droht zu scheitern

DSL Drossel TrafficDas Ziel der Bundesregierung, allen deutschen Haushalten bis 2018 Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s bereitzustellen, droht zu scheitern. Wie das Handelsblatt berichtet, sei für das hehre Ziel zwar mittlerweile genügend Geld vorhanden, allerdings herrscht weiterhin Uneinigkeit über die tatsächliche Umsetzung und die zu fördernden Technologien.

50 Mbit/s für alle bis 2018

Das Ziel der Bundesregierung klingt einfach: Bis 2018 sollen alle deutschen Haushalte über Internetverbindungen verfügen, die Durchsatzraten von mindestens 50 Mbit/s leisten können. Neben der PKW-Maut gehört die Umsetzung von “50 Mbit/s für alle” zu den Fokusthemen des Verkehrsministers Alexander Dobrindt, könnte sich jedoch bald zum nächsten Flop des CSU-Politikers entwickeln.

Wie das Handelsblatt in der Printausgabe vom 15. Juli 2015 berichtet, steht das ehrgeizige Projekt bereits auf der Kippe und droht zu scheitern. Für Dobrindt wäre es die zweite Schlappe innerhalb weniger Monate, auch die von ihm vorbereitete PKW-Maut liegt aufgrund zahlreicher Probleme vorerst auf Eis, dem Internetausbau könnte das gleiche Schicksal drohen.

Im Durchschnitt surfen deutsche Internetnutzer mit etwa 10,2 Mbit/s, im Ranking ein eher undankbarer 26. Platz. Südkorea, Irland und Hongkong sind hingegen Spitzenreiter und stellen ihren Usern durchschnittlich 23,6 Mbit/s, 17,4 Mbit/s und 16,7 Mbit/s bereit. Bis 2018 soll sich auch hierzulande einiges tun, die Bundesregierung und der Verkehrsminister wollen die Datenraten auf mindestens 50 Mbit/s steigern, die CDU erwägt sogar einen Rechtsanspruch, der Bundesbürgern gesetzlich 50 Mbit/s zusichern soll.

Förderprogramm ohne Einigung

Um die Pläne umsetzen zu können, stellt die Bundesregierung ein Förderprogramm bereit, mit dem Bund und Länder den Ausbau finanzieren und unter anderem  “Wirtschaftlichkeitslücken” der Anbieter schließen sollen. Das Geld ist da, allerdings fehlt es noch immer an einer Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen.

Wie das Handelsblatt berichtet, fokussieren das Verkehrsministerium und Alexander Dobrindt den Vectoring-Ausbau, der nicht nur vergleichsweise kostengünstig ist, sondern auch deutlich schneller umgesetzt werden kann als andere Technologien. Allerdings kritisiert die Tageszeitung, dass damit vor allem die Telekom gefördert werde, an der der Bund als größter Aktionär beteiligt ist, sowie eine Technologie, die im Gegensatz zu anderen weniger Wettbewerbsvorteile bietet.

Unter Experten gilt die Glasfasertechnik als attraktiver, kombiniert mit Richtfunk. Das Problem: in vielen Regionen müssen geeignete Glasfasernetze erst kostspielig verlegt werden, während beim Vectoring bereits vorhandene Kupferkabel – zumeist von der Telekom – genutzt werden können.

50 Mbit/s für alle bis 2018 nicht mehr zu halten

Bislang fehlt es jedoch an allen Ecken und Enden an konkreten Entscheidungen und Festlegungen. “Die Länder fühlen sich hingehalten, übergangen.”, schreibt das Handelsblatt. “Sie haben bereits eigene Förderprogramme für den Breitbandausbau initiiert, dafür brauchen sie auch das Fördergeld des Bunds. Doch es ist unklar, ob die Programme zusammenpassen – und von der nötigen Abstimmung mit Dobrindts Ministerialen kann keine Rede sein.”

VDSL Vectoring

“Die Richtlinie ist ein wesentlicher Baustein für die Investitionen”, wird Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbands der Telekom-Wettbewerber VATM, zitiert. “So kann man nicht planen und auch nicht bauen. Es wird Zeit, dass jemand die politische Verantwortung übernimmt. 2018 wird so kaum noch zu halten sein – und zudem wird ein Plan für die später erforderlichen Gigabitnetze immer wichtiger.”

Ob und wann sich die beteiligten Parteien auf ein gemeinsames Vorgehen einigen werden, bleibt unklar. Je weiter die Umsetzung jedoch in die Ferne rückt, desto eher droht das ehrgeizige Projekt zu scheitern. Schon jetzt halten Experten das anvisierte Zeitfenster für zu eng und erklären eine pünktliche Umsetzung für unmöglich.


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1 Kommentar zu 50 Mbit/s für alle: Umsetzung bis 2018 droht zu scheitern

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  1. Matt57 schrieb am 16.07.2015 um 16:04

    Es war doch klar, dass das wieder ein leeres, nicht einzuhaltendes Versprechen unserer selbsternannten “erfolgreichsten Regierung seit 45” werden würde. Sollte Deutschland nicht auch “Weltspitze” im Netzausbau werden?

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