Dienstag, den 16.10.12 15:05

aus der Kategorie: DSL & Internet, Telekom T-Home

TK-Verbände kritisieren Pläne der Telekom letzte Meile nicht mehr freizugeben

Die sogenannte letzte Meile ist das Kernstück moderner DSL-Anbindungen an die einzelnen Haushalte. Seit 1998 gilt die Entbündelung der Teilnehmeranschlussleitung und gewährleistet damit den Zugriff anderer Anbieter wie Alice, 1&1 und Vodafone. Die neuen Pläne des magentafarbenen Riesen, auf diesen letzten Metern in Zukunft Vectoring zu nutzen, stoßen bei den Telekommunikationsverbänden auf Kritik. Zwar ließen sich dadurch VDSL-Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit erreichen, der Zugriff externer DSL-Anbieter wird aber massiv eingeschränkt bis unmöglich.

Vectoring für schnellere Bandbreiten

Unter Vectoring versteht man eine Art Rauschunterdrückung wie man sie beispielsweise von modernen Kopfhörern kennt. Beim Vectoring werden die gegenseitigen Störungen der Kupferkabel in den DSL-Leitungen unterdrückt und dadurch in der letzten Meile, der Strecke zwischen Kabelverzweiger und Hausanschluss, schnellere Geschwindigkeiten realisiert. Auf einer Strecke von 400 Metern zwischen den beiden Punkten können so bis 100 MBit erreicht werden, auf 800 Metern immerhin noch bis zu 50 Mbit. Derzeit liegen moderne DSL-Leitungen im Schnitt bei 16 Mbit – meist auch deutlich weniger. Ausschlaggebend für die vor allem im ländlichen Raum oft geringen Bandbreiten sind die Rausch-Verluste durch die letzten Meile.

Entbündelung der letzten Meile sorgte für Wettbewerb

Die gesetzmäßige Entbündelung der letzten Meile sorgte für einen starken Wettbewerb der DSL-Anbieter. Bis dahin hatte die Telekom die Nutzungshoheit über die ausschlaggebende Strecke zwischen Verteiler und Haushalt und stellte deshalb für viele Kunden die einzige Alternative dar. Seit 1998 muss die Telekom die Meile freigeben und an die übrigen Anbieter vermieten oder den Bau einer eigenen Infrastruktur der Anbieter zulassen. Dadurch stehen dem Kunden mit 1&1, Vodafone, Alice und Co. alternative Anbieter zu Verfügung, die vor allem für eine Marktliberalisierung und fallende Preise sorgten. BUGLAS-Präsident Dr. Hans Konle:„Die Wettbewerbsunternehmen haben seit der Marktöffnung 1998 deutlich mehr als 50 Milliarden Euro investiert, den größten Teil davon in eigene Infrastrukturen.”

DSL

iStockphoto.com/m-1975

TK-Verbände gegen Vorstoß der Telekom

Mit dem Vectoring-Vorstoß der Telekom könnte die Entbündelung bald Geschichte sein. Das kritisieren auch die Telekommunikationsverbände Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO), Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) und Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Die Telekom plant, das nutzbringende Vectoring nicht nur an den Stellen anzubieten, an denen es tatsächlich angebracht ist, sondern im gesamten DSL-Netz. Dadurch wäre allerdings die bisher gültige Entbündelung nicht mehr gegeben. Der Zugriff der Anbieter auf die letzte Meile würde massiv eingeschränkt und an vielen Stellen faktisch unmöglich. Vielen Kunden entstünden dadurch Wettbewerbsnachteile und ein Zurück zu alten Verhältnissen, als nur die Telekom als Anschlusslieferant zur Verfügung stand. Die Anbieter erwarten Milliardenverluste und eine Entwertung der bisher getätigten Investitionen. BUGLAS-Präsident Dr. Hans Konle: „Wenn künftig an von Wettbewerbern erschlossenen Kabelverzweigern der Zugang zur entbündelten TAL [Teilnehmeranschlussleitung] wie von der Telekom nun gefordert nicht mehr gewährt wird, entwertet das nicht nur den dort getätigten Milliarden-Invest, sondern führt auch zur Remonopolisierung.“

Gemeinsame Pläne in Arbeit

Die drei Telekommunikationsverbände arbeiten bereits an einem Alternativvorschlag, der Vectoring als sinnvolle Einsatzmöglichkeit zur Verbesserung des Netzausbaus ohne Einschränkung der Marktsituation vorsieht. Mit den bisherigen Plänen der Telekom sei Vectoring ein Rückschritt, der nichts zum Breitbandausbau beiträgt, meint BREKO-Präsident Ralf Kleint: „Eine Monopolisierung von Vectoring durch die Deutsche Telekom ist schon deshalb unsinnig, weil diese Technik den Glasfaserausbau zum Kabelverzweiger voraussetzt. Dieser wird in Deutschland aber ganz wesentlich durch Investitionen der Wettbewerber vorangetrieben. Vectoring wird daher nur dann einen wirkungsvollen Beitrag zum Breitbandausbau leisten, wenn alle investierenden Unternehmen in gleicher Weise davon profitieren können“. Der alternative Vorschlag wird der Bundesnetzagentur demnächst vorgestellt.

 


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1 Kommentar zu TK-Verbände kritisieren Pläne der Telekom letzte Meile nicht mehr freizugeben

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  1. Brummie schrieb am 19.10.2012 um 08:53

    Es naht ein Ende der Trittbrettfahrer der Telekom

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